NDR: Mehrere deutsche Kinder von IS-Anhängern in lebensbedrohlichem Gesundheitszustand

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Unter den mindestens 60 deutschen Kindern, die in
nordsyrischen Lagern mit ihren Müttern interniert sind, befinden sich
einige nach NDR Recherchen in einem lebensbedrohlichen
Gesundheitszustand. So beispielsweise die drei Monate alte Maria,
deren deutsche Eltern sich der Terrormiliz IS angeschlossen hatten
und die nun in einem Gefangenenlager der kurdisch-dominierten
„Demokratischen Kräfte Syriens“ (SDF) lebt. Das Baby ist
offensichtlich stark unterernährt und leidet anscheinend an einer
großflächigen Pilzinfektion. Geboren wurde Maria in der bis zuletzt
umkämpften Kleinstadt Baghouz.

Die in Niedersachsen lebende Großmutter eines weiteren Kleinkindes
klagt, ihr Enkel läge im syrischen Gefangenenlager al-Haul „fast im
Sterben“, weil es ebenfalls stark unterernährt sei und an anhaltendem
Durchfall leide. Diese Angaben konnten allerdings nicht unabhängig
überprüft werden.

Das Auswärtige Amt teilt seit Monaten immer wieder mit, man könne
vor Ort keine konsularische Betreuung gewährleisten. Schließlich gebe
es seit Schließung der deutschen Botschaft in Damaskus keine
diplomatischen Beziehungen mehr zu Syrien.

Dirk Schoenian vertritt die Großmutter als Anwalt. Er hält die
Aussagen der deutschen Diplomaten für nicht stichhaltig. „Die
Bundesrepublik hat eine Verpflichtung gegenüber ihren eigenen
Staatsangehörigen, und die haben auch einen Anspruch gegenüber der
Regierung auf Beistand“, sagte der Rechtsanwalt aus Hannover
gegenüber Reportern des NDR. Sollte es zu Todesfällen kommen, dann
trage die Bundesregierung dafür zumindest eine Mitverantwortung.

Auf Anfrage des NDR zu der Situation der Kinder antwortet das
Auswärtige Amt nur allgemein. Die Bundesregierung prüfe mögliche
Optionen, um deutschen Staatsangehörigen, auch in humanitären Fällen,
eine Rückführung nach Deutschland zu ermöglichen. Man versuche
außerdem, „deutschen Staatsangehörigen, insbesondere Kindern, in
prekären Einzelfällen über Partnerorganisationen, die in den
Flüchtlingslagern vor Ort tätig sind, die erforderliche medizinische
Hilfe vor Ort zukommen zu lassen.“

Nach UN-Angaben starben in den Lagern in Nordsyrien seit
Jahresbeginn bereits 25 Kinder ausländischer IS-Anhänger. Weltweit
Schlagzeilen machte der Fall des drei Wochen alten Säuglings der
britischen Dschihadistin Shamima Begum. Es war im Lager al-Haul
gestorben. Die britische Regierung hatte der Mutter die
Staatsangehörigkeit des Vereinigten Königreichs aberkannt. In dem
Lager leben inzwischen fast 70.000 Menschen, darunter mindestens 60
deutsche Kinder mit ihren Müttern.

Frankreich hat zuletzt fünf Kinder aus dem Gefangenenlager nach
Paris zurückgeholt, obwohl auch die französische Botschaft in Syrien
seit Jahren geschlossen ist. Bei den Kindern handelte es sich nach
offiziellen Angaben um Halb- und Vollwaisen französischer
IS-Anhänger. Deutschland plant solche Rückholaktionen nach jetzigem
Stand nicht.

Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Bettina Brinker
Tel.: 040/4156-2302
Mail: b.brinker@ndr.de
http://www.ndr.de
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