Niedersachsens Kultusminister warnt vor „Bulimie-Lernen“

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Tonne: Kann nicht darum gehen, jetzt komprimiert Wissen in die Köpfe der Kinder zu trichtern – Mehr möglich bei Klassenfahrten und Ausflügen – Masken, Kohortenprinzip und Corona-Tests sollen auch bei niedrigen Inzidenzen bis zu den Sommerferien bleiben

Hannover. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne warnt davor, Kinder und Jugendliche nach der langen Zeit im Homeschooling nun im Präsenzunterricht in den Schulen mit zu viel Lernstoff zu überfrachten. „Ganz klar: Die Idee, wir müssten jetzt in wenigen Wochen ein Schuljahr nachholen und mit hohem Druck und Tempo arbeiten, halte ich für den falschen Ansatz. Es kann nicht vorrangig darum gehen, jetzt komprimiert Wissen in die Köpfe der Kinder zu trichtern. Das fällt unter den Begriff des Bulimie-Lernens, und das ist nicht nachhaltig“, sagte der SPD-Politiker im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ).

Die Schüler müssten zunächst Gelegenheit haben, die vergangenen Wochen und Monate im Pandemiemodus in der Schule aufarbeiten zu können. „Und das nicht nur bis zu, sondern auch noch nach den Sommerferien“, ergänzte der 44-Jährige und stellte für das neue Schuljahr zugleich mehr Möglichkeiten bei Klassenfahrten, Festen und Ausflügen in Aussicht. „Hier wollen wir ganz ausdrücklich mehr Freiheiten einräumen. Das könnte gut an den Anfang des neuen Schuljahres gestellt werden und würde andere gemeinschaftsfördernde Vorhaben dann nicht ersetzen“, betonte Tonne und kündigte an, die Schulen auch personell verstärken zu wollen, um den Kindern und Jugendlichen größtmögliche Unterstützung zukommen zu lassen. „Denkbar ist beispielsweise, dazu Studierende oder pensionierte Lehrerinnen und Lehrer an die Schulen zu holen“, erklärte der Minister gegenüber der „NOZ“.

Überdies plädierte der Ressortchef dafür, auch in Kommunen mit sehr niedrigen Inzidenzwerten bestimmte Sicherheitsvorkehrungen in den Schulen beizubehalten. „Ich glaube, dass wir gut damit fahren, auch bei sehr niedrigen Inzidenzen an den Corona-Tests zweimal pro Woche, an den Hygieneregeln, am regelmäßigen Lüften, der Maskenpflicht außerhalb der eigenen Kohorte und auch am Kohortenprinzip insgesamt zumindest mal bis zu den Sommerferien bis auf Weiteres festzuhalten“, sagte Tonne. Auch eine niedrige Inzidenz dürfe nicht zu Sorglosigkeit führen.

Hart ins Gericht ging Niedersachsens Schulminister mit dem Bund, der einen Rückzieher bei der Impfstoff-Zusage für Kinder und Jugendliche gemacht habe, weswegen Niedersachsen sein bereits öffentlich präsentiertes Konzept zur Impfung von rund 450.000 Schülern zwischen 12 und 19 Jahren wieder einpacken konnte. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und hätten loslegen können. Dass der Bund von seiner Impfstoff-Zusage plötzlich nichts mehr wissen will, ist nicht nur ärgerlich, sondern schlicht auch kein Verfahren der Zusammenarbeit“, verurteilte Tonne die Impfstoff-Absage aus Berlin. Enttäuscht sei er auch deshalb, „weil ich finde, dass die Jugendlichen es verdient hätten, ihnen ein gesondertes Impfangebot zu machen“, erklärte der Vater von vier Kindern, von denen zwei im impffähigen Alter zwischen 12 und 19 Jahren sind und eine Corona-Schutzimpfung erhalten sollen. „Die erfolgte Zulassung des Impfstoffs war für uns der entscheidende Impuls. Es ist ein wertvoller Beitrag, sich selbst und andere zu schützen. Das sind für meine Frau und mich ausreichend Gründe, um uns und unsere Kinder im impffähigen Alter impfen zu lassen“, betonte Tonne, der kürzlich seine erste Corona-Schutzimpfung erhalten hat.

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