Noch viele Fragezeichen / Von Dagmar Unrecht

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Am Freitag beginnen in Bayern die Sommerferien. Für viele Kinder und Jugendliche macht das in diesem Jahr keinen großen Unterschied. Seit Mitte März waren sie wegen Corona zunächst ganz zu Hause, in den vergangenen Wochen dann nur wochen- oder tageweise im Klassenzimmer. Echter Unterricht fühlt sich anders an. Ab 8. September soll der Schulbetrieb in Bayern wieder regulär stattfinden – das ist zumindest der Plan der Staatsregierung und so ist es auch auf der Homepage des bayerischen Kultusministeriums zu lesen. Aber die Bedenken sind groß. Dabei steht eines fest: Corona hat die Grenzen digitalen Lernens aufgezeigt, Präsenzunterricht ist durch nichts zu ersetzen. In den vergangenen Monaten haben sich große Wissenslücken bei den Schülern aufgebaut, Bildungsunterschiede wurden verschärft. Das darf im neuen Schuljahr nicht so weitergehen. Am Wochenende hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angesichts der Corona-Situation in Teilen Europas Zweifel daran geäußert, dass die Schulen nach den Sommerferien wieder regulär starten können. Er sei noch nicht überzeugt, dass es einen ganz normalen Regelunterricht geben werde, so Söder. Auch Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (FW) baut inzwischen vor und spricht davon, es sei zwar sein “Wunsch” zum Regelbetrieb zurückzukehren, aber bei einer zweiten Corona-Welle sei dies nicht möglich. Das verheißt nichts Gutes. Zwar spricht Piazolo davon, dass bereits Alternativkonzepte erarbeitet würden. Aber wie diese konkret aussehen, ist für Eltern und Schüler noch unklar. Heute Vormittag will der Kultusminister über die Unterrichtsversorgung im neuen Schuljahr informieren. Das ist dringend nötig, denn die Verunsicherung ist groß. Eltern und Schüler brauchen Planungssicherheit und Struktur – also einen geregelten Schulalltag. Auch Lehrer und Schulleiter müssen wissen, was auf sie zukommt. Niemand vermag vorherzusagen, wie lange uns Corona noch begleiten wird, wann und ob ein Impfstoff gefunden wird. Auf Covid-19 kann Covid-20 folgen. Das bedeutet: Wir müssen mit der Pandemie leben lernen, auch in der Schule. Dafür ist ein Bewusstseinswandel nötig – raus aus dem Zustand des Provisoriums, weg vom Pseudo-Unterricht. Nötig sind verbindliche Standards für die Wissensvermittlung, die auch unter Corona-Bedingungen auf Dauer angelegt sind. Verbindliche Lernziele und klare Lehrplanvorgaben gehören ebenso dazu wie Leistungsüberprüfungen. Denn Bewertungen und Benotungen sind notwendige Rückmeldungen für Schüler und Eltern. Lernen zu Hause – so genannter “Distanzunterricht” – ist keine neue Unterrichtsform, sondern bestenfalls eine Ergänzung. In den vergangenen Wochen war es oft nur Augenwischerei. Bisher standen bei der Bewältigung der Corona-Folgen an den Schulen die organisatorische Aufrechterhaltung des Betriebs sowie die technische Ausstattung im Fokus, weniger die Vermittlung von Inhalten. Doch auf die kommt es am Ende an. Hier Lösungen zu finden ist viel schwieriger als Laptops bereitzustellen. Bei den Lehrern liegt dabei der Gutteil der Anstrengungen, damit die Bildungsunterschiede nicht noch größer werden. Viel hängt vom Einsatz und der Motivation jedes einzelnen Pädagogen ab. Es geht darum, ab Herbst wieder echtes Lernen möglich zu machen – mit den vorhandenen Mitteln. Zur Not kann man auch am Telefon Gelerntes abfragen. Lehrer, Rektoren und die zuständigen Behörden stehen in der Verantwortung, dass Schule ihrem Bildungsauftrag gerecht wird. Die Kinder und Jugendlichen haben bereits fast ein halbes Schuljahr verpasst und müssen die Folgen ausbaden. Das darf sich nicht wiederholen.

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