Podiumsdiskussion in Berlin: Frauenrechte in der Ideologie der Muslimbruderschaft – BILD

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Auf Einladung der Deutschen Orient-Stiftung sowie
der Österreichischen Gesellschaft für Politikanalyse (ÖGP)
diskutierte eine hochkarätige Runde über Frauenrechte in der
Ideologie der Muslimbruderschaft. Auf dem Podium saßen die tunesische
Frauenrechtsaktivistin Samah Krichah sowie der Direktor des Deutschen
Orient-Instituts Botschafter a. D. Gunter Mulack. Über Skype aus
Kairo zugeschaltet war überdies die mehrfach ausgezeichnete
ägyptische Frauen- und Menschenrechtsaktivistin und Direktorin des
Liberal Democracy Institute Dalia Ziada. Die Veranstaltung wurde von
Dr. Helmut Pisecky, dem wissenschaftlichen Leiter der
Österreichischen Gesellschaft für Politikanalyse (ÖGP), moderiert.

In ihrem Eingangsstatement beschrieb Dalia Ziada, wie sich während
der Regierungszeit der Muslimbruderschaft (2012 bis 2013) die
Frauenrechtssituation in Ägypten erheblich verschlechtert hat. Zwar
bestehen nach dem Absetzen von Präsident Mursi durch das ägyptische
Militär Anfang Juli 2013 Probleme fort, dennoch zeichnet sich eine
deutliche Verbesserung der Frauenrechtssituation in Ägypten ab. Frau
Ziada machte deutlich, dass sich die Muslimbruderschaft sehr gerne
von radikal islamistischen Gruppierungen wie dem IS abgrenzt, diesen
jedoch ideologisch allgemein wie auch in Bezug auf die Wahrnehmung
der Rolle der Frau in der Gesellschaft sehr ähnelt.

Samah Krichah berichtete über die Situation der Frauenrechte im
traditionell liberalen Tunesien. Sie zeigte auf, wie sich die der
Muslimbruderschaft ideologisch nahestehende Ennahda-Partei nach der
Machtübernahme im Jahr 2011 anschickte, Rolle und
Entfaltungsmöglichkeiten von Frauen in der tunesischen Gesellschaft
zu beschränken. Frau Krichah wies darauf hin, dass Frauen in der
Ideologie der Ennahda als Männern hierarchisch klar unterstellt
betrachtet und zu sexuellen Objekten reduziert werden. Ihre
Hauptaufgabe wird in der Mutterrolle gesehen. Zwar gibt es auch
moderatere Strömungen innerhalb der Ennahda; die alten,
erzkonservativen, männlichen Parteikader seien jedoch die „Wächter
über die Werte der Partei“.

So argumentierte Ennahda-Parteimitbegründer und -vorsitzender
Rachid al-Ghannouchi beispielsweise in seinem in den 1980er-Jahren
erschienenen Buch, dass die Hauptaufgabe von Frauen die Mutterrolle
sei. Insbesondere seit der verlorenen Wahl 2014 versucht die Ennahda,
ihr Image zu verbessern, indem sie sich öffentlich liberal gibt, was
allerdings offensichtlich eine gezielte Täuschung der tunesischen
Wähler wie auch westlicher Politiker ist. In der anschließenden
Diskussion wurde unter Einbeziehung des Publikums rege über die Rolle
der Frauen in maghrebinischen Staaten diskutiert.

Rückfragehinweis:
Österreichische Gesellschaft für Politikanalyse
Schulerstraße 7
A-1010 Wien
Kontakt: media@ogp.ac

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