Tast-Display „Tactonom“ des Start-ups Inventivio erhält EU-Förderung, um mehr Sehbehinderte ins Arbeitsleben zu bringen

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Sehbehinderte nutzen den Tactonom zum ersten Mal | ©investEU
 

In der Europäischen Union leben 80 Millionen Menschen mit Behinderung. In Deutschland sind es rund zehn Millionen. Sie haben oft schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt, denn Arbeitgeber befürchten bürokratische Hürden und scheuen Kosten und Aufwand bei der Einrichtung behindertengerechter Arbeitsplätze. So bleibt das Potenzial von Millionen Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben ungenutzt.

Mit dem Europäischen Sozialfonds und dem Forschungs-programm „Horizont 2020“ fördert die Europäische Union Innovationen für inklusivere Arbeitsmärkte. Unterstützt wird vor allem die Entwicklung und flächendeckende Vermarktung technischer Hilfsmittel. Der Markt für sogenannte „assistive“ Technologien in der EU hat einen Umfang von etwa 30 Mrd. Euro jährlich. Doch dieser ist stark fragmentiert, und die hoch spezialisierten Geräte sind teuer. Mit ihren Fördermitteln hilft die EU den Entwicklern zukunftsweisender Technologien, diese Markthindernisse zu überwinden.

Beispielsweise den Entwicklern des Tactonom. Das taktile Grafikdisplay der Nürnberger Firma Inventivio erweitert die Arbeitsmöglichkeiten für sehbehinderte Menschen. Das Gerät verfügt über mehr als 10.500 Tastpunkte, mit denen digitale Inhalte entweder in der Blindenschrift Braille oder in Form von tastbaren Grafiken angezeigt werden können. So haben Sehbehinderte erstmals ungehinderten Zugang zu allen digitalen Informationen und können selbstständiger arbeiten.

Den Tactonom will Inventivio zeitgleich in mehreren EU-Staaten auf den Markt bringen. Dieses Vorhaben unterstützt die EU mit 50.000 Euro aus ihrem Förderprogramm für kleine und mittlere Unternehmen (KMU-Instrument) des Programms „Horizont 2020“. Mit den Fördermitteln finanzieren die Gründer Marktstudien in Großbritannien, Frankreich, Österreich und der Schweiz. „Für uns ist die Finanzierung durch das KMU-Instrument immens wichtig, weil sie unseren Markteintritt in verschiedenen europäischen Staaten deutlich beschleunigt. Sie gibt uns die nötigen Ressourcen, um unsere Zielmärkte zu analysieren und die jeweiligen regulatorischen Rahmenbedingungen besser zu verstehen“, sagen die Gründer Dr. habil. Alexander Hars und Dipl. Kfm. Klaus-Peter Hars. Der Tactonom soll deutlich billiger sein als bereits verfügbare Technologien wie etwa die Braillezeile, die zudem grafische Inhalte nicht darstellen kann. Dieses Ziel könne nur bei einer länderübergreifenden Markteinführung erreicht werden, sagen die Gründer.

Die Unternehmer streben an, mit dem Tactonom die Arbeitslosigkeit sehbehinderter Menschen in Europa innerhalb von zehn Jahren um zehn Prozent zu reduzieren. „Mehr als siebzig Prozent der etwa 876.000 blinden Menschen im arbeitsfähigen Alter in Europa sind heute arbeitslos. Unser Ziel ist es, dass rund 88.000 Menschen mithilfe des Tactonom eine Anstellung finden“, sagen Alexander und Klaus-Peter Hars.

Richard Kühnel, Vertreter der Europäischen Kommission in Deutschland, sagt zu dem Projekt: „Mit Unterstützung der EU können hochinnovative Produkte wie der Tactonom möglichst schnell auf den Markt gebracht und für möglichst viele Menschen zugänglich gemacht werden. Ziel solcher EU-Investitionen ist inklusives Wachstum: Alle Menschen in Europa sollen uneingeschränkt am Arbeitsleben teilnehmen können.“

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