tz München: CSU-Rebell Peter Gauweiler im tz-Interview: „Schon aus Selbstachtung muss ich kandidieren“

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Die CSU-Granden hatten alles schon perfekt
geplant: Der Europaabgeordnete Ingo Friedrich scheidet aus der
Parteiführung aus, an seine Stelle soll Verteidigungsstaatssekretär
Christian Schmidt treten. Die restlichen drei Stellvertreter von
Horst Seehofer bleiben die alten: Landtagspräsidentin Barbara Stamm,
Bayerns Justizministerin Beate Merk und Bundesverkehrsminister Peter
Ramsauer. Doch diese Pläne hat nun der Münchner Bundestagsabgeordnete
Peter Gauweiler kräftig durcheinandergewirbelt! Völlig überraschend
kündigte der 62-Jährige gestern an, beim Nürnberger CSU-Parteitag (7.
und 8. Oktober) für einen der vier Vizeposten kandidieren zu wollen.
Gegenüber der tz legte Gauweiler dar, warum er sich zu diesem Schritt
entschlossen hat.

Ist es die Sorge um den Euro, die Sie antreibt, wieder an der
Spitze der CSU mitspielen zu wollen?

Peter Gauweiler: Die Euro-Krise war der Auslöser. Je länger man
das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum Euro liest, desto mehr
sieht man, welche Linien da gezogen wurden: Das Gericht gab der
Politik einen großen Ermessensspielraum – der muss ausgenutzt werden.
Das nennt man Demokratie.

Heißt das im Klartext, dass die Politik diesen Spielraum bisher
nicht genug genutzt hat?

Gauweiler: Ja natürlich! Aber darüber zu klagen, ist das eine. In
dieser Lage muss man auch über das Wehklagen hinaus etwas anbieten.
Mir wurde klar, dass ich mir sonst irgendwann vorwerfen werde: „Du
hast es nicht einmal versucht!“

Hat auch die CSU in der Euro-Krise versagt?

Gauweiler: Ich möchte gerne belehrerisches Kritisieren vermeiden.
Die CSU war für Bayern immer systemrelevant. Ich will dafür sorgen,
dass das so bleibt.

Die anderen CSU-Kandidaten für den Vize-Parteivorsitz werden schon
ihre Truppen sammeln, Sie sind ein Einzelkämpfer. Haben Sie überhaupt
eine Chance?

Gauweiler: Wenn meine Kandidatur scheitern sollte, will ich mir
sagen können, dass ich nicht geschwiegen habe. Schon aus Gründen der
Selbstachtung muss ich mich einbringen.

Beim Thema Euro waren Sie der Rufer in der Wüste – zur Zeit sind
Sie als Redner in der CSU wieder sehr gefragt. Liegt in dieser neuen
Popularität Ihre Chance, zu gewinnen?

Gauweiler: Die Problematik beim Euro und bei den Banken sind ja
nicht die einzigen Themen, die so lange abgetan wurden. Denken Sie an
den von mir geforderten Radikalenerlass für Bankmanager. Oder eine
kritischere Haltung zum Afghanistan-Einsatz…

Wenn es mit der Wahl zum Partei-Vize klappt: Freuen Sie sich
darauf, dann wieder gegen Ihren alten Rivalen Christian Ude Duelle im
„Kampf um Bayern“ führen zu dürfen?

Gauweiler: Ich freue mich immer, ihn wiederzusehen. Außerdem hat
er mit seiner Ministerpräsidenten-Kandidatur Mut bewiesen. Das hat
mir gut gefallen.

Interview: Klaus Rimpel

Pressekontakt:
tz München
Redaktion
Telefon: 089 5306 505
politik@tz-online.de

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