Westfalenpost: Friedrich Merz: Wertkonservativ mit disruptivem Potenzial

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Die CDU steht an einer entscheidenden Wegmarke.
Morgen müssen 1001 Delegierte in Hamburg entscheiden, wie die Partei
künftig geführt werden soll. Längst ist das Rennen zu einem Zweikampf
zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz geworden.
Inhaltlich geht es deshalb um eine Weiterentwicklung des abwartenden
Politikstils, den Kanzlerin Angela Merkel über Jahrzehnte sehr
erfolgreich gepflegt hat, auf der einen Seite – und auf der anderen
Seite um eine geradezu disruptive Änderung des politischen Geschäftes
durch die Hand eines kantigen Politik-Rückkehrers, dessen
Wirtschaftskarriere ihm zuletzt nicht nur Vorteile gebracht hat. Die
Delegierten haben also eine ebenso weitreichende wie schwierige
Entscheidung zu treffen. Ungeachtet des Ausgangs dieses politischen
Wettstreits lässt sich bereits jetzt feststellen, dass allein die
überraschende Kandidatur des Sauerländers Schwung in die politische
Debatte gebracht hat. Die Regionalkonferenzen waren ein Gewinn für
die CDU. Eine Beatmung des Diskurses. Sie wurden auch außerhalb der
Partei genau wahrgenommen – nicht zuletzt, weil Friedrich Merz mit
einer steilen Kampfansage gegen die AfD in den Ring stieg.
Frischzellenkur für sedierte Streit-Kultur Überhaupt wirkt Merz wie
eine Frischzellenkur innerhalb einer gleichförmigen, bisweilen
sedierten politischen Kultur, die das Streiten zeitweise einer
Protestpartei überlassen hat, deren konstruktive Bemühungen unterhalb
der Wahrnehmungsgrenze liegen. Dabei ist Merz alles andere als ein
Revolutionär. Der 63-jährige Jurist aus dem Sauerland steht für eine
wertkonservative Grundhaltung und damit für einen CDU-Markenkern, mit
dem sich nur schwerlich Antworten finden lassen auf die aktuellen
Herausforderungen, die die weltweiten Kräfteverschiebungen oder die
Digitalisierung mit sich bringen. Doch das ist nur die eine Seite von
Friedrich Merz. Den Multiaufsichtsrat und Globalist zeichnen
strategischer Sachverstand und eine moderne, bürgerliche Weltsicht
aus. Aufgrund seiner Erfahrungen im Aufsichtsrat von Blackrock weiß
er genau um die Defizite, die Deutschland bei der Digitalisierung
sehr rasch aufholen muss. Rhetorisch ist Merz zu einer Komplexität in
der Lage, die den einen oder anderen bisweilen an seine Grenzen
führt. Das ist nicht ungefährlich. Weil es Menschen zurücklässt und
als hochnäsig gedeutet wird. Zumal bei einem Manager, der sich mit
der Offenlegung der eigenen Einkommenssituation schwergetan hat.
Dabei kann die finanzielle Unabhängig eines Kandidaten doch als
respektabel und ehrenhaft gelten. Ein Gefühl von Stolz und
Weltläufigkeit Wie auch immer die Delegierten entscheiden. Für unsere
Region war die Kandidatur von Friedrich Merz um den CDU-Parteivorsitz
besonders belebend. Beim Kreisparteitag in Arnsberg war das Gefühl
von Stolz und Weltläufigkeit mit Händen zu greifen. Und in den Wochen
danach gab es keine Veranstaltung, in der die Merz-Kandidatur nicht
diskutiert worden wäre. Unter dem Strich aber geht es für die CDU um
mehr als eine Personal-Entscheidung. Der 7. Dezember muss dem neuen
Mann oder der neuen Frau an der Parteispitze ein Mandat geben für
weitere, für tiefgreifende programmatische Reformen und einen Weg der
inhaltlichen Erneuerung. Denn die Wähler erwarten neben einer
Führungspersönlichkeit vor allem jemanden, der Probleme anpackt und
eine gute, eine lebensnahe Politik macht.

Pressekontakt:
Westfalenpost
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