Westfalenpost: Hochschulpakt – Bildungsplaner sind für das Chaos mitverantwortlich

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Am Anfang stand ein Rechenfehler: Als der
Hochschulpakt 2007 geschlossen wurde, verschätzten sich Bund und
Länder mit der Höhe der künftigen Studentenwelle. Die Folge: Für den
doppelten Abiturjahrgang fehlen Lehrräume, Professoren,
Studentenbuden. Spät, viel zu spät werden die Mittel jetzt
aufgestockt. Bis die zusätzlichen Milliarden im Studium ankommen,
finden viele Studenten kaum Platz in Hörsälen und Bibliotheken.
Außerdem bleiben Turbo-Abiturienten mit schwächerem Notenschnitt oft
ohne Studienplatz.

Fünf Minuten nach Zwölf haben sich Bund und Länder auf ein neues
Milliarden-Programm bis 2015 verständigt. Weil trotz aller Warnungen
nicht ausreichend Vorsorge für den doppelten Abiturjahrgang getroffen
wurde, greifen die Hochschulen in ihrer Not zum letzten Mittel und
verschärfen die Zulassungsbeschränkungen. Das ist vor dem Hintergrund
sinkender Geburtenraten und eines drohenden Fachkräftemangels
widersinnig.

Der Studentenandrang ist vor allem politisch veranlasst: Das
Turbo-Abitur und die Abschaffung der Wehrpflicht verschärften den
„normalen“ Ansturm der geburtenstarken Jahrgänge. Abgestimmte Politik
sieht anders aus. Die Bildungsplaner müssen sich vorwerfen lassen,
dass sie das Chaos mitverantwortet haben.

Doch es hilft nichts, wenn sich Bund und Länder weiter den
Schwarzen Peter für die aktuelle Misere zuschieben. Trotz der
zusätzlichen Milliarden wird das Prinzip der Mangelverwaltung die
Arbeit an den Hochschulen noch lange bestimmen. Übrigens: Wenn
Turbo-Abiturienten zunächst eine Warteschleife drehen müssen, bis sie
einen Platz an der Universität erhalten, ist der Sinn des schnellen
Abiturs nach acht Jahren verpufft.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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