1:0 für Laschet / Der NRW-Ministerpräsident tritt im Team mit Spahn an – und setzt Merz unter Druck. Die Entscheidung über den CDU-Vorsitz wird zur politischen Richtungswahl. Von Reinhard Zweigler

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Timing ist auch in der CDU – fast – alles. Nach dem alten
Motto aus dem Mühlen-Zeitalter: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst, trat Armin
Laschet mit seinem Co-Piloten und möglichen CDU-Vize Jens Spahn gestern knapp
vor dem anderen Bewerber, Friedrich Merz, vor die Hauptstadtpresse. Der
NRW-Ministerpräsident beanspruchte gewissermaßen, um es in der Tennissprache
auszudrücken, den ersten Aufschlag für sich. Im innerparteilichen Wettbewerb um
den CDU-Vorsitz, der verdammt eng werden dürfte, gilt es, auch kleinste Vorteile
für sich auszunutzen. Merz konnte mit seinem etwas späteren Auftritt nicht ganz
ausgleichen. Mit der Merkel-Fortsetzung im fröhlich-rheinischen Format namens
Armin Laschet gegen den konservativen Revolutionär und frustrierten
Merkel-Kontrahenten aus früheren Jahren namens Friedrich Merz hat die CDU nun
allerdings eine echte Alternative zur Auswahl. Die Entscheidung über den
künftigen CDU-Vorsitz ist damit zugleich die Wahl zwischen verschiedenen
politischen Richtungen. Entweder mit kosmetischen Veränderungen weiter für einen
eher gemäßigten Mitte-Links-Kurs mit Laschet, oder für die modern-konservativ,
wirtschaftsfreundlich-innovative Ausrichtung, wie sie Merz vertritt. Beide Lager
haben ihre Heimat in der CDU. Angela Merkel hat es aber immer vermieden, eine
Entscheidung herbeizuführen. Sie hat den Konflikt vielmehr wortreich mit
allerhand Formelkompromissen zugekleistert. In gewisser Weise ist die CDU nun
gezwungen, Farbe zu bekennen. Der politischen Auseinandersetzung, dem
politischen Diskurs, der Demokratie im Lande dürfte ein kantiger Konservativer
wie Merz allerdings eher guttun. Er könnte am ehesten frustrierte ehemalige
Unionswähler, die schmollend abseits stehen oder gar bei der AfD ihr Kreuzchen
machen, zurückholen. Mit seinen Äußerungen zu einer notfalls gegen neue
Flüchtlinge abgeschotteten deutschen Grenze, zu einem starken, auch wehrhaften
Deutschland in der EU und im globalen Maßstab streichelt Merz gewissermaßen
national-konservative Seelen. Die AfD müsste einen Parteichef und möglichen
Kanzlerkandidaten Merz eher fürchten. Die SPD dagegen würde in die Hände
klatschen. Endlich könnte sie sich wieder gegen einen knallharten CDUler
profilieren, wie das lange nicht der Fall war. Die defacto-Sozialdemokratin im
Kanzleramt schnappte den Genossen einfach viele Themen vor der Nase weg. Dennoch
dürften die Chancen für Laschet, am 25. April vom Parteitag gewählt zu werden,
besser sein als die von Merz. Vom dritten Bewerber Norbert Röttgen einmal ganz
abgesehen. Der einstige Laschet-Konkurrent in NRW dürfte das Publikum eher mit
intellektuellen Belehrungen langweilen. Laschet jedoch sollte nicht nur den
größten CDU-Landesverband ziemlich geschlossen hinter sich haben, er verfügt
auch über ein Netzwerk in die Gliederungen der CDU, in das Konrad-Adenauer-Haus
hinein. Und sollte Laschet gewinnen, würde auch kein Weg an ihm als
Unions-Kanzlerkandidat vorbeiführen. Dem könnte sich selbst CSU-Chef Markus
Söder, derzeit der starke Mann in der Union, nicht in den Weg stellen.
Kramp-Karrenbauer hatte dagegen nie wirklich Rückhalt in der Bundespartei. Ihr
katastrophales Nicht-Durchsetzungsvermögen hatte sich zuletzt in Thüringen
offenbart. Dass die dortige CDU-Landtagsfraktion in die Falle der AfD tappte und
gemeinsam mit den Rechtspopulisten einen unbekannten FDP-Mann zum
Ministerpräsidenten wählte, war ein historischer Fehler. AKKs Krisenmanagement
danach war auch nicht besser. Das Kunststück, das der künftige CDU-Chef zustande
bringen muss, lautet nun: Vertrauen zurück gewinnen, für Stabilität sorgen und
zugleich neue politische Akzente setzen. Da wartet ein hartes Stück Arbeit auf
den neuen Mann.

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