40. Jahrestag des ersten Berichtsüber AIDS / Aktionsbündnis gegen AIDS und Missionsärztliches Institut Würzburg

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Der 5. Juni 2021 markiert den 40. Jahrestag, an dem die amerikanische Kontrollbehörde für Krankheiten und Prävention (CDC) die ersten Fälle einer neuen Erkrankung meldeten, die gehäuft zuerst vor allem bei homosexuellen jungen Männern auftraten. Die neue Krankheit wurde deshalb anfangs als GRID (gay related immune deficiency) bezeichnet, eine stigmatisierende Bezeichnung, die erheblich zur Diskriminierung der bei uns hauptsächlich betroffenen Gruppen (Männer, die Sex mit Männern haben, Drogengebrauchende, Sexarbeiter*innen) beitrug.

Als die globale Dimension der neuen Epidemie deutlich wurde, erhielt die neue Erkrankung die Bezeichnung AIDS (erworbenes Immunschwächesyndrom). Die frühen Jahre der Epidemie waren geprägt von der Angst vor der neuen Epidemie, von Panik und der Suche nach Übertragungswegen, geeigneten Therapiemöglichkeiten, aber auch nach dem angemessenen gesellschaftlichen Umgang mit der neuen Erkrankung, welche aufgrund des Diskriminierungspotentials und der Ausgrenzung der damit Lebenden von der ersten Stunde an eine besondere Herausforderung für die Einforderung der Menschenrechte darstellte.

In den Ländern des südlichen Afrikas wurden die verheerenden Auswirkungen der Pandemie mit großen Herausforderungen auf die Gesellschaft und Familienstrukturen deutlich. Erst 1996 war mit der Einführung neuer Medikamente und deren Kombination der Durchbruch geschafft: Eine HIV-Infektion ist heute in aller Regel eine gut behandelbare, verträgliche chronische Erkrankung geworden.

„Bedauerlicherweise trifft das jedoch nicht für alle zu“, sagt Klemens Ochel vom Missionsärztlichem Institut Würzburg: „Voraussetzung sind der Zugang zu modernen und erschwinglichen HIV-Therapien und ein gut funktionierendes Gesundheitssystem. Nach den heute veröffentlichen Angaben von UNAIDS sterben global immer noch jährlich 690.000 Menschen an AIDS. Sterbefälle, die durchaus vermeidbar wären, wenn der globale Zugang zu Medikamenten und Prävention gerecht verteilt wäre. Mehr als 34 Millionen Menschen sind seit Beginn der Epidemie an AIDS bedingten Erkrankungen gestorben. Es ist ein Skandal und zugleich eine Herausforderung an die globale Solidarität, dass von den geschätzt 37,6 Millionen Menschen mit HIV immer noch nur 27,4 Millionen Zugang zu lebensrettenden Therapien haben“, ergänzt Ochel.

„Die im Juni 2001 auf der Sondergeneralversammlung der Vereinten Nationen zu HIV und Aids verabschiedete Verpflichtungserklärung markierte einen historischen Wendepunkt im Hinblick auf den Umgang der Weltgemeinschaft mit der Pandemie. Damit wurden zum ersten Mal angemessene Ziele für die Finanzierung der Maßnahmen und für den Zugang zu Medikamenten festgehalten sowie an wissenschaftlichen Prinzipien orientierte Handlungsprinzipien vereinbart, sagt Joachim Rüppel, Sprecher des Aktionsbündnis gegen AIDS.

Durch internationalen Druck von Aktivist*innen auf die pharmazeutische Industrie und die Androhung von Zwangslizenzen, konnten die Preise für Medikamente seit der Jahrtausendwende von ursprünglich 20.000 US-Dollar im Jahr pro behandelte Person um weniger als ein Prozent dieses Ausgangsniveaus gesenkt werden. Abgebaut werden konnten auch Vorbehalte, demnach die notwendigen Einnahmeschemata der Therapien für Menschen in Ländern des globalen Südens zu kompliziert seien und nicht eingehalten werden könnten. Es war aber auch das erstarkte globale Engagement der Weltgemeinschaft, die Gründung von UNAIDS, die Gründung des Patent Pools für HIV-Medikamente und die Einrichtung von Finanzierungsmechanismen, wie des Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria, welches zu den bisher beobachteten relativen Erfolgen führte.

Die derzeitige COVID-19 Pandemie erinnert in vielen Aspekten an die ersten Jahre der HIV-Epidemie vor 40 Jahren: Der Umgang mit Diskriminierung, die Bedrohung der Menschenrechte im Umgang mit der Pandemie zeigen deutliche Parallelen. So werden in vielen Ländern eigentlich gegen COVID-19 gerichtete Maßnahmen staatlicher Behörden zur weiteren Unterdrückung und Ausgrenzung ohnehin bereits marginalisierter Gruppen durchgesetzt. Die Überwindung nationaler Egoismen bei der Verteilung vorhandener COVID-19 Impfstoffe erinnert an die 1990iger Jahre, als lebensrettende HIV-Medikamente ausschließlich für Menschen in privilegierten Ländern zur Verfügung standen: mit Millionen von vermeidbaren Todesopfern als Konsequenz. Auch die Diskussion um die zeitweilige Freigabe des Patentschutzes für die Entwicklung von COVID-19 Impfstoffen, die Bedeutung der Einbindung und Berücksichtigung, der durch die Pandemie besonders betroffenen Gruppen und die Schaffung globaler Mechanismen und Strukturen, wie C-TAP und ACT-A, lassen die Reaktion auf beide Epidemien gut miteinander vergleichen.

„Die Geschichte muss sich nicht wiederholen und es gibt Lehren, die aus dem Umgang mit HIV gezogen werden können. Für die Bundesregierung wäre der nächste Schritt, dass sie den Widerstand gegen den, durch Südafrika und Indien bei der Welthandelsorganisation eingebrachten TRIPS Waiver-Vorschlag zur zeitlich befristeten Freigabe von geistigen Eigentumsrechten mit dem Ziel der Sicherstellung der globalen Versorgung mit COVID-19 Impfstoffen und anderen Medizinprodukten endlich aufgibt. Die Bundesregierung sollte im Rahmen der Europäischen Union nicht als Vollstreckerin der Interessen der pharmazeutischen Industrie agieren, sondern das Recht auf den bestmöglichen Zugang zu Medikamenten umsetzen“, betont Sylvia Urban, Sprecherin des Aktionsbündnis gegen AIDS.

Pandemien erinnern uns daran, dass wir in einer Schicksalsgemeinschaft leben. Auch das trifft auf HIV und COVID-19 zu. Solange sich ausschließlich privilegierte Nationen mit Impfstoff versorgen können, wird sich auch bei uns niemand wirklich sicher fühlen können.

Kontakt:

Aktionsbündnis gegen AIDS: Peter Wiessner, Tel. 0163/4568514, wiessner@aids-kampagne.de

Missionsärztliches Institut Würzburg: Klemens Ochel, Tel. 0170/7359765, Klemens.Ochel@medmissio.de

Pressekontakt:

Peter Wiessner Tel: +49 (0) 30 2790 999 8 Mob: +49 (0) 163 456 85
14; Email: wiessner@aids-kampagne.de; Aktionsbündnis gegen AIDS;
Rungestr. 19, 10179 Berlin

Original-Content von: Aktionsbündnis gegen AIDS, übermittelt durch news aktuell

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