Aachener Zeitung: Kommentar: Ohne Worte / Die Musikindustrie und das Echo-Desaster / Von Christian Rein

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Das Ende des Echos kam, das kann man sagen,
überraschend. So viel Konsequenz hätte man der Musikindustrie, die
den Preis über ihren Bundesverband organisiert und vergibt, nicht
unbedingt zugetraut. Die Chefs der Plattenlabel hatten ja die ganze
Zeit über beharrlich geschwiegen. Kein Wort von Frank Briegmann
(Universal), Bernd Dopp (Warner), Patrick Mushatsi-Kareba (Sony) oder
Konrad von Löhneysen (Embassy of Music) zu den antisemitischen
Ausfällen von Kollegah und Farid Bang. Kein Statement vor, während
oder nach der dann umso beschämenderen Veranstaltung. Kein Zeichen
auf oder neben der Bühne. Einen Neuanfang braucht der Echo aber nicht
nur wegen des Skandals um die Gangsterrapper. Ein Preis, der sich
rein auf Verkaufszahlen stützt, wirkt angesichts der rasant
wachsenden Popularität von Streamingdiensten unzeitgemäß – und hat
zudem eine schwache Legitimation. Der Echo ist eben kein Preis einer
unabhängigen Jury. Er ist ein Preis von der Musikindustrie für die
Musikindustrie. Auch diese liegt nun mit dem Preis ein Stück weit in
Scherben. Der Echo sollte nach Auffassung der Label-Bosse als
„wichtigster Musikpreis Deutschlands“ in einer Liga mit den – ähnlich
umstrittenen – Brit Awards oder sogar den Grammys spielen. Auch an
diesem realitätsfernen Anspruch hat sich die Musikindustrie
ordentlich verhoben. In der Musik geht es nicht nur um Unterhaltung,
sondern auch um Haltung. Das hat Campino mit dem letztlich einzigen
bemerkenswerten Auftritt beim Echo unterstrichen. Er hat der Debatte
damit die entscheidende Wende gegeben. Wenn die Musikindustrie
Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückgewinnen will, dann wird sie
genau das zeigen müssen: Haltung. Es steht zu bezweifeln, dass
Briegmann, Dopp, Mushatsi-Kareba und von Löhneysen dazu in der Lage
sind. Denn einen Preis lediglich mit dem Hinweis auf den entstandenen
massiven Schaden einzustampfen, zeugt auch nicht davon.

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