Enttäuschender Gipfel/Allen Warnungen zum Trotz konnte sich die Weltklimakonferenz nur auf einen Minimalkompromiss verständigen. Dadurch hat der gesamte Globus verloren. Von Reinhard Zweigler

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Was lange währt, wird nicht immer gut. Trotz der
Marathonüberziehung von mehr als 36 Stunden, trotz eindringlicher Appelle der
Wissenschaft und trotz massiver Proteste von Klimaaktivisten ist bei der
Madrider Klimakonferenz nur ein dürftiger, ein sehr enttäuschender
Minimalkompromiss heraus gekommen. Doch der hilft beim Kampf zur dringend
notwendigen Begrenzung der Erderwärmung kaum weiter. In Madrid hat der gesamte
Globus verloren. Vor allem die großen Bremser von ambitionierten, weitergehenden
Klimaschutzzielen – etwa die USA, Brasilien oder Australien – sind dabei, sich
an künftigen Generationen zu versündigen. Sie tragen unbeirrt weiter kräftig zum
Klima-Chaos und den damit verbundenen extremen Wetterunbilden bei, mit denen
sich die Menschheit in den nächsten Jahrzehnten herumschlagen muss. Dabei war
der Druck, zu wirklich substanziellen Ergebnissen zu kommen, noch nie so groß
wie heute. Innerhalb weniger Monate entwickelte sich aus dem Schulstreik-Protest
der schwedischen Aktivistin und Flugverweigerin Greta Thunberg eine machtvolle
globale Bewegung. Was vor Jahrzehnten im Ost-West-Konflikt die Friedensbewegung
gegen das gefährliche atomare Wettrüsten war, das sind heute viele – mehr oder
weniger radikale – Aktionsbündnisse gegen die Erderwärmung zum Schutz der
Lebensgrundlagen der Menschheit. Und richtete sich der Protest gegen den
drohenden Atomkrieg einst gegen eine kaum direkt wahrnehmbare Gefahr, so sind
die Folgen der zunehmenden Klimaveränderung heute längst Realität. Auch das hoch
industrialisierte Deutschland leidet unter dem Temperaturanstieg, unter
zunehmenden Trockenheiten einerseits sowie extremen Niederschlägen und Stürmen
andererseits. Die Erderwärmung ist nicht irgendeine Spinnerei von Neurotikern,
sondern nicht mehr von der Hand zu weisen. Wir befinden uns längst mitten drin.
Und nicht einmal seriöse Wissenschaftler können sagen, an welchen Punkten der
Prozess kippt, wann die Klimaveränderung nicht mehr aufgehalten werden kann,
sondern nur noch deren schlimmste Folgen gemildert werden können. Madrid hat
gegen dieses Restrisiko, das allen Prognosen anhaftet, leider substanziell
nichts gebracht. Ein belastbares Regelwerk für den weltweiten Handel mit
Klimaschutzzertifikaten etwa wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Die
kurzsichtigen Trickser und Bewahrer der fossilen Energiewirtschaft haben
verheerenderweise Sand ins Verhandlungsgetriebe gestreut. Die Europäische Union,
die mit der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen immerhin markige
Ziele für den Klimaschutz aufstellen will, hat sich im Verein mit anderen
Partnern leider nicht durchsetzen können. Gleichwohl dürfen die Europäer nicht
locker lassen. Die anderen Staaten schauen auf die EU. Kann die Gemeinschaft der
27 vorangehen, schafft sie den Umstieg auf eine klimafreundliche Wirtschaft und
Energieerzeugung, wird das Auswirkungen auf den Rest der Welt haben. Auch wenn
Klima-Optimismus derzeit verdammt schwer ist. Und Deutschland? Mit Ausnahme der
AfD, die den menschengemachten Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre
hartnäckig leugnet, haben alle wichtigen politischen Parteien hierzulande dem
Kampf gegen die Erhitzung des Planeten ganz oben auf der Agenda. Das ist längst
kein Alleinstellungsmerkmal der Grünen mehr, wenngleich der Ökopartei die größte
Kompetenz und Glaubwürdigkeit beigemessen werden. Allerdings ist der wirkliche
Umstieg zu einer CO2-neutralen Wirtschaftsweise eine gigantische Aufgabe, viel
größer jedenfalls als die Mondmission der USA vor fünf Jahrzehnten.

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