Inklusion greift: Kinder mit Down-Syndrom in Regelschulen

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Miteinander unbefangen umgehen, ohne andere zu
bewerten oder Vorurteile und Schubladendenken zu zeigen: Die innere
Haltung ist möglicherweise der wichtigste Aspekt von Inklusion. Für
viele Erwachsenen nicht immer einfach, denn lange gab es wenig
Berührungspunkte mit Menschen mit einer Behinderung wie
beispielsweise Down-Syndrom. Das hat sich verändert. Es gibt immer
mehr inklusive Kindergärten und Schulen. „Kinder mit Down-Syndrom
gehen gerne in die Schule, sind ausgesprochen lernwillig. Außerdem
ermöglichen wir so nachfolgenden Generationen von Anfang an einen
ungezwungenen Umgang mit Kindern, die anders sind.“, stellt Gabriele
Weiland, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband der
Ergotherapeuten e.V.) fest.

Auf körperlicher Ebene ist die muskuläre Hypotonie, also eine
schwache Muskelspannung, einer der Gründe dafür, dass Kinder mit
Down-Syndrom sich langsamer entwickeln. Durch die geringe
Muskelspannung werden die Rezeptoren in den Muskeln und Gelenken
wenig gereizt, die Körperwahrnehmung ist reduziert. Kinder mit
Down-Syndrom fühlen sich „wie in Watte“, spüren sich selbst und ihre
Umgebung nicht so gut und haben dadurch eine verminderte Sensorik.
„Das Spüren ist jedoch für das spätere Lernen nötig.“, erklärt die
Ergotherapeutin Gabriele Weiland. Bereits beim Krabbeln stimulieren
Babys ihre Wahrnehmung, haben Kontakt mit dem Boden, fühlen weich,
glatt, hart und so weiter. Der Lernprozess ist in Gang, bestimmte
Eigenschaften werden wortwörtlich begriffen. Weil nun aber die Kraft
in den Muskeln bei Kindern mit Down-Syndrom fehlt, bewegen sie sich
weniger gerne und haben in der Folge weniger Möglichkeiten, ihre
Umwelt zu begreifen. „Es ist eine meiner Aufgaben, Kinder mit
Down-Syndrom in die Aktivität zu bringen. Und zwar so früh wie
möglich.“, plädiert die Ergotherapeutin dafür, von Anfang an die
bestehenden Defizite zu verbessern.

Ergotherapeuten sorgen für Know-how Transfer…

„Es ist ganz wichtig, dass Kinder mit Down-Syndrom in einem
normalen Umfeld sind, also auch in eine Regelschule gehen. Jedes Kind
soll die Chance haben, lesen zu lernen und dadurch selbstständiger zu
werden.“, betont die Ergotherapeutin Weiland. Die dafür nötigen
Fähigkeiten müssen früh angebahnt werden. Zur besseren
Veranschaulichung schildert die Ergotherapeutin einen Fall aus ihrer
Praxis. Um einem Jungen mit Down-Syndrom zunächst den Besuch eines
inklusiven Kindergartens und später der Regelschule zu erleichtern,
war das Ziel, eine möglichst große Selbstständigkeit herbeizuführen.
So waren es alltägliche Aktivitäten, die sie mit dem Jungen übte. Zum
Beispiel, als es um das eigenständige Essen mit dem Löffel und später
mit Messer und Gabel ging. Spielerisch muss das Ganze sein, denn
sonst verweigern Kinder – solche mit Down-Syndrom ebenso wie alle
anderen auch – ihre Mitarbeit. Der Junge mochte Ballspiele und zum
Training seiner motorischen und koordinativen Fähigkeiten waren die
dafür vorgesehenen Stunden so angelegt, dass er Bälle in ein
Behältnis werfen durfte. Die Ergotherapeutin verkleinerte von Mal zu
Mal das Behältnis, so dass die Zielsicherheit wuchs, Motorik und
Feinmotorik sich besser ausprägten. Gleichzeitig wurden durch die
Bewegungen die Muskeln stärker. Parallel setzte sie Übungen zum
selbstständigen Essen ein und so gelang dem Jungen der Transfer:
Einen Gegenstand – das Essen – in ein Behältnis – den Mund – zu
bringen. Ebenso spielerisch lernte der Junge, sich selbst an- und
auszuziehen, Reißverschlüsse und Schuhe zu schließen und vieles mehr.

… und führen Kinder mit Down-Syndrom spielerisch ans Lernen
heran In Vorbereitung der Schulfähigkeit gibt es eine Reihe von
Methoden, die Ergotherapeuten bei Kindern mit Down-Syndrom einsetzen.
Neben Übungen, die die fein- und grafomotorischen Fähigkeiten
verbessern, wenden Ergotherapeuten bei Kindern mit Down-Syndrom auch
Spiele wie Puzzle als Therapiemittel an. Das hat viele positive
Aspekte: Die Konzentration wird geschult, was wichtig ist für das
Stillsitzen in der Schule. Das Visuelle, also Formen und Bilder
erkennen und Teile auf das Gesamtbild übertragen. Die Kognition wird
angeregt. Oder das Malen: Die Kinder lernen den Umgang mit dem Stift,
lernen Formen malen und können dann anfangen, Buchstaben zu malen.
Darüber erfassen sie dann die Laute und die Worte. Die
Ergotherapeutin Gabriele Weiland weiß von den Müttern der von ihr
betreuten Kinder mit Down-Syndrom: Viele Übungen, die die Kinder in
der ergotherapeutischen Einzeltherapie in Ruhe und in ihrem eigenen
Tempo ausprobieren und lernen, übertragen sie dann in den
Kindergarten beziehungsweise in die Schule. Oder nachhause, wo sie
eben die Spiele, die sie bei der Ergotherapeutin für sich entdeckt
haben, ebenfalls spielen.

Kinder mit Down-Syndrom profitieren von den Angeboten der
Regelschule Kinder mit Down-Syndrom sind überaus motiviert, in die
Schule zu gehen. Dieses Phänomen schildert die Ergotherapeutin und
erklärt, dass sie sich gerne etwas von den anderen abschauen. So
kommt es unter anderem zu sprachlichen Verbesserungen. Oder sie
profitieren von Angeboten, die allen Kindern zugutekommen, wie
Instrumentenunterricht oder Schwimmen. Denn beim Schwimmen, Trommeln
oder anderen Betätigungen sind Kinder mit Down-Syndrom genau so fit
wie alle anderen auch. Es verbessert nicht nur ihr eigenes Befinden
und die Motivation, weiter Neues zu erlenen. Es stärkt bei allen
Beteiligten auch die sozialen Kontakte, das Annehmen und Angenommen
werden. Und eben das bedeutet Inklusion.

Informationsmaterial gibt es bei den Ergotherapeuten des DVE
(Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.). Die Suche nach
Ergotherapeuten in Wohnortnähe ist auf der Homepage des Verbandes im
Navigationspunkt Ergotherapie und Therapeutensuche möglich
https://dve.info/ergotherapie/therapeutensuche.

Pressekontakt:
Angelika Reinecke, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des DVE e.V.
Telefon: 033203 – 80026, E-Mail: a.reinecke@dve.info

Original-Content von: Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V., übermittelt durch news aktuell

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