Landarzt dringend gesucht Fast 400Ärzte fehlen in Bayern. Mit Quoten, Zuschüssen und Darlehen für Landärzte soll sich das ändern, doch die einfache Lösung gibt es nicht. Von Katia Meyer-Tien

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Coronavirus, Grippe oder doch bloß eine Erkältung? Wer sich
krank fühlt, der geht zum Hausarzt. Doch was, wenn es keinen mehr gibt? Oder
viel zu wenige? In Roding, zum Beispiel, fehlen aktuell zwei Ärzte, in
Schwandorf drei. Im Planungsbereich Tirschenreuth sind es sogar sieben Ärzte,
die die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) dringend sucht. Im Landkreis
Cham sei die Versorgung momentan gewährleistet – allerdings von Ärzten, die im
Durchschnitt 60,2 Jahre alt sind, schreibt die KVB. Bayernweit sind es rund 400
Stellen, die nicht besetzt werden können, weil es an qualifizierten Ärzten
fehlt. Und die meisten Ärzte fehlen in kleinen Gemeinden im ländlichen Raum. Die
Gründe dafür sind vielfältig. Für manch jungen Arzt ist die Arbeit in urbanen
Gegenden mit Kontakt zu Kollegen, guter Infrastruktur,
Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Schulen und kulturellen Angeboten attraktiver.
Für viele sind Kooperationsmöglichkeiten mit Fachärzten wichtig, auch wegen der
Regresspflicht: Muss ein Arzt im ländlichen Raum teure Spezialmedikamente selber
verschreiben, ist sein Budget schnell ausgeschöpft, teure Nachforderungen der
Krankenkassen drohen. Manch einer scheut die Bürokratie, die Arbeitszeiten und
vielleicht auch die Verantwortung, der einzige Arzt im Umkreis vieler Kilometer
zu sein. Und nicht zuletzt spielt auch der Partner eine große Rolle, der am
Praxisstandort ebenfalls einen passenden Arbeitsplatz finden muss. Betroffene
Kommunen tun viel, um Ärzten den Start in ihrer Region zu erleichtern, von
Hilfen bei der Praxisgründung über verbilligten Baugrund bis hin zu zinslosen
Darlehen. Mit der gerade beschlossenen Landarztquote, die bis zu 5,8 Prozent der
bayerischen Medizinstudienplätze für Studierende reserviert, die sich
verpflichten mindestens zehn Jahre als Hausarzt in einer medizinisch
unterversorgen Region zu arbeiten, versucht auch die Staatsregierung
gegenzusteuern. Der Erfolg ist ungewiss, Kritiker sind skeptisch, wie sinnvoll
es ist, dass sich junge Menschen noch vor Beginn ihrer Ausbildung für so lange
Zeit nach dem Studienende festlegen. Die KVB hingegen setzt auf wohnortnahe
Ausbildung und befürwortet die Einrichtung eines Lehrstuhls für Allgemeinmedizin
an der Universität Regensburg. Momentan unterrichten hier Lehrbeauftragte an der
Lehr- und Forschungseinheit Allgemeinmedizin, in 61 Lehrpraxen in der Region
können die Studierenenden Blockpraktika absolvieren. Rund 25 Prozent der
Regensburger Medizinabsolventen lassen sich so zu Allgemeinmedizinern ausbilden.
Das sind überdurchschnittlich viele, die Einrichtung eines Lehrstuhls könnte die
hausärztliche Tätigkeit für Studierende noch attraktiver und die Region für
Ärzte allgemein interessanter machen. Die theaterliebende Medizinstudentin, der
Allgemeinarzt mit der ambitionierten Ingenieurin als Partner, sie alle werden
wohl trotzdem zurückschrecken vor dem Leben als Landarzt. Die Zielgruppe müssen
jene jungen Menschen sein, die in der Nähe ihres Heimatortes bleiben wollen oder
die gerade die ländlichen Strukturen schätzen. Sie brauchen Vorbilder:
Hausärzte, die schon in den Schulen Werbung machen, Praktika anbieten und von
den positiven Seiten ihrer Arbeit berichten – von der Verbundenheit mit den
Menschen, von dem breiten Spektrum, das es mit sich bringt, erster
Ansprechpartner für alle medizinischen Belange zu sein. Und sie brauchen
Strukturen, die es möglich machen, Gemeinschaftspraxen oder Versorgungszentren
einzurichten. Die wiederum geregelte Arbeits- und Urlaubszeiten ermöglichen und
all jene auffangen, die vor der selbstständigen Arbeit in der eigenen Praxis
zurückschrecken. Auch weniger Bürokratie und mehr Hilfe im Alltag, durch
medizinische Hilfskräfte oder den Einsatz von Telemedizin können den
Landarztberuf attraktiver machen: Es sind viele kleine Dinge, die
ineinandergreifen müssen, um die medizinische Versorgungskrise auf dem Land in
den Griff zu bekommen.

Pressekontakt:

Mittelbayerische Zeitung
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