Mehr Fairness im Handel / Leitartikel von Beate Kranz zu Lebensmittelpreisen

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Kurzform: Milliardenschwere Subventionen sollten nicht mehr mit
der Gießkanne an alle Landwirte verteilt werden. Vielmehr müssten sie gezielt an
Bauern gehen, die bereit sind, ihr Tiere artgerecht aufzuziehen, und die ihr
Getreide, Obst und Gemüse mit möglichst wenig Pestiziden behandeln oder sogar
ganz darauf verzichten. Alle Agrarprodukte sollten zudem nach dem Vorbild der
Eier-Kennzeichnung markiert werden, unter welchen Bedingungen sie gewachsen oder
gezüchtet wurden. Nur so hat der Verbraucher überhaupt die Chance, sich bewusst
für gute Lebensmittel von höherer Qualität zu entscheiden. Dann wächst
vielleicht auch die Bereitschaft, gern etwas mehr für Lebensmittel auszugeben.

Der vollständige Leitartikel: Wenn im Supermarkt zwei Kilo Äpfel für 1,11 Euro
angeboten werden, ein Kilo Möhren für 69 Cent oder 4ein Kilo Hühnerfleisch für
1,99 Euro – spätestens dann müsste sich jeder Verbraucher fragen, wie dies
möglich ist. Kann es sein, dass Lebensmittel so billig produziert werden? Können
Bauern davon leben? Verdient hier überhaupt noch jemand? Tatsächlich sind solche
Lockangebote in Supermärkten und Discountern keine Ausnahme. Lebensmittel sind
in Deutschland im Vergleich zu manchen Nachbarländern wie Österreich oder die
Schweiz deutlich günstiger. Hintergrund für diese Entwicklung ist vor allem der
harte Konkurrenzkampf unter den Lebensmittelketten Aldi, Lidl, Rewe und Edeka,
der seit Jahren tobt. Mit immer neuen Rabattaktionen versuchen die “großen Vier”
Kunden zu gewinnen und ihre Marktanteile auszubauen. Profiteure dieser
Preisschlacht sind bislang die Verbraucher. Für sie gehören Rabatte zum Alltag.
Und manche Schnäppchenjäger steuern nicht nur zu Festtagen gezielt jene Händler
an, die Fleisch oder Schaumwein gerade zu unschlagbar günstigen Preisen
verhökern. Man kann es keinem verdenken, sie verhalten sich marktgerecht. Doch
die Rabattschlachten haben längst auch negative Seiten. Da Handelskonzerne nicht
nur auf Kundenfang sind, sondern auch möglichst hohe Profite anstreben, üben sie
auf Lebensmittelhersteller und Bauern zunehmend stärkeren Druck aus, ihre
Produkte immer günstiger anzubieten. So günstig, dass deren Gewinne schrumpfen –
und insbesondere die Landwirte an den Rand der wirtschaftlichen
Überlebensfähigkeit geraten. Kleine regionale Lebensmittelanbieter – wie man sie
oft auf Wochenmärkten antrifft – haben teilweise überhaupt keine Chance, von den
Großen gelistet zu werden, um ihre Waren an den Mann und die Frau zu bringen.
Die Kräfteverhältnisse sind dabei mehr als unfair. Die kleinen Bauern gegen die
milliardenschweren Handelskonzerne – ein Kampf zwischen David und Goliath. Wer
nicht billig genug produziert, fliegt aus dem Sortiment. Und die Giganten können
sich offenbar immer mehr erlauben und Bedingungen stellen. Wer mit seinen
Produkten in den Regalen der großen Filialketten landen will, muss zahlen. Mal
für Werbung, mal schlicht als Eintrittsgeld. Diese Praxis hat die EU bereits im
vergangenen Jahr mit einer neuen Richtlinie verboten. Nun sollte sich die
Bundeslandwirtschaftsministerin dringend beeilen, diese Regelung möglichst
schnell auch in deutsches Recht umzusetzen, um wenigstens für etwas fairere
Geschäftsregeln zu sorgen. Das Problem für eine höhere Wertschätzung von
Lebensmitteln oder gar einer artgerechteren Tierhaltung ist damit aber nicht
gelöst. Denn: Selbst höhere Preise in Supermärkten sind keine Garantie dafür,
dass deshalb auch die Bauern tatsächlich mehr Geld für ihre Kartoffeln und ihr
Getreide erhalten. Hier ist ein grundsätzliches Umdenken in der Agrarpolitik
gefragt. Milliardenschwere Subventionen sollten nicht mehr mit der Gießkanne an
alle Landwirte verteilt werden. Vielmehr müssten sie gezielt an Bauern gehen,
die bereit sind, ihr Tiere artgerecht aufzuziehen, und die ihr Getreide, Obst
und Gemüse mit möglichst wenig Pestiziden behandeln oder sogar ganz darauf
verzichten. Alle Agrarprodukte sollten zudem nach dem Vorbild der
Eier-Kennzeichnung markiert werden, unter welchen Bedingungen sie gewachsen oder
gezüchtet wurden. Nur so hat der Verbraucher überhaupt die Chance, sich bewusst
für gute Lebensmittel von höherer Qualität zu entscheiden. Dann wächst
vielleicht auch die Bereitschaft, gern etwas mehr für Lebensmittel auszugeben.

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