Mittelbayerische Zeitung:Ökologie ist das zentrale Thema / Der Mensch zerstört seine Lebensbedingungen. Dabei sind Freiheit und Wohlstand nur in einer intakten Umwelt garantiert. Von Manfred Sauerer

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Ökologie ist die Wissenschaft von den
Wechselbeziehungen zwischen den Lebewesen und ihrer Umwelt. Ziel ist
ein ungestörter Haushalt der Natur. Ökologie ist aber auch das
Zentrum des aktuellen und künftigen Handelns der Menschheit. Es gibt
kaum ein Politikfeld, in dem die Ökologie nicht eine dominierende
Rolle spielt oder spielen wird. Man muss kein Anhänger von grünen
Parteien sein, um dies zu erkennen. Umso erstaunlicher ist es, dass
die öffentliche Debatte noch so oft ökologische Fragen ignoriert.
Schließlich sind wir längst dabei, die Lebensgrundlage auf unserem
Planeten massiv zu verschlechtern. Aus christlicher Sicht könnte man
sagen, der Mensch hat die alttestamentarische Aufforderung, sich die
Erde untertan zu machen, gründlich missverstanden. Papst Franziskus
hat schon in seiner Öko-Enzyklika klar gemacht, wie das gemeint ist:
Macht Euch der Erde untertan! Der Mensch aber beutet sie aus, ohne
Rücksicht, auch auf sich selbst. Auf den Retter, wie Christus in der
„Stillen Nacht“ besungen wird, werden wir vergeblich warten. Das
Gegensteuern angesichts der Verschmutzungen, die wir den Meeren, dem
Festland und der Atmosphäre zumuten, sollte am besten weltweit
koordiniert erfolgen. Das aber ist auch nach der jüngsten
Weltklimakonferenz in Kattowitz noch ein frommer Wunsch. Ein Skandal,
denn gerade die Wirtschaftsriesen in Europa, Nordamerika und Asien
sind verantwortlich für den Raubbau, der den ungestörten Haushalt der
Natur unmöglich macht. Präsident Trump etwa glaubt seinen
Fachbehörden nicht, dass die Folgen des Klimawandels der
US-Wirtschaft Schäden in einem nicht mehr aufzufangenden Ausmaß
bescheren werden. Und manche feuern das Desaster noch an: Der neue,
rechtsradikale brasilianische Präsident Bolsonaro schließt
Umweltagenturen und will industrielle Großprojekte im
Amazonas-Regenwald ermöglichen. Bleibt also nur, im eigenen Land
anzufangen. Leider aber haben frühere Vorbilder wie Deutschland
gebremst, liegen Jahre hinter ihren Zeitplänen zur Energiewende. All
das verschlechtert nicht nur die Lebensbedingungen künftiger
Generationen, sondern schon der aktuellen. Gestiegenem
Umweltbewusstsein und richtigen Maßnahmen wie dem EU-Plastikverbot
zum Trotz steuert die Menschheit einem Zeitalter entgegen, in dem
weite Teile der Erde unbewohnbar geworden sind. Und zuerst trifft es
die Armen in den Ländern, die ihre Bewohner nicht schützen können vor
einer Natur, die wie ein stark Betrunkener das Gleichgewicht nicht
mehr halten kann. Katastrophen werden zum Normalfall, Seuchen breiten
sich aus und ein Exodus wird einsetzen, gegen den die
Fluchtbewegungen der jüngsten Jahre wie eine harmlose Episode wirken.
Bekannte Reflexe bleiben dann wirkungslos. Die Abschottungspolitik
Trumps, die Grenzen-dicht-Forderungen europäischer Populisten –
erscheint das alles nicht ein wenig lächerlich angesichts der großen
Aufgabe, die zu bewältigen wäre? Nämlich schleunigst alle Kräfte dort
einzusetzen, wo man Infrastrukturen verbessern und technisches
Know-how in weniger entwickelten Regionen verfügbar machen kann, um
den Menschen ein lebenswertes Dasein in ihren Heimaten zu
ermöglichen. Wohlstand und, noch wichtiger, Freiheit des Handelns
werden auf Dauer nur in einer intakten Umwelt möglich sein. Auch
dort, wo heute schon Wohlstand herrscht. Erfolgreiche Umweltpolitik
kann nur in Verbindung mit der sozialen Frage gelingen. Den Preis für
die „Rettung der Erde“ dürfen nicht die Schwächeren und Ärmeren
zahlen. Wir sehen gerade in Frankreich, wie wenig Akzeptanz etwa eine
Ökosteuer findet, wenn man nicht diejenigen entlastet, die lange
Fahrten zu schlecht bezahlten Jobs haben. Es zieht sich wie ein roter
Faden durch die Krisen der Welt: Stets haben die „Kleinen“ die Zeche
bezahlt. Soll die Öko-Krise bewältigt werden, müssen diejenigen die
größten Opfer bringen, die auch den größten ökologischen „Fußabdruck“
haben.

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