musikfest berlin 2011:»Prometeo. Tragödie des Hörens«

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»Nichts Geringeres als die Entstehung der Welt, von >Gaia<, steht am Anfang des Prometeo, der >Tragödie des Hörens< von Luigi Nono. Um nichts Geringeres als um die Rettung der Menschheit geht es darin; und nichts Bescheideneres steht an ihrem Ende als das Aufscheinen einer neuen Utopie aus den Trümmern der Kulturgeschichte.« (Lydia Jeschke, CD-Booklettext »Prometeo«)
Der »Prometeo«, dieses abendfüllende musikalische Monumentalwerk, ist das Vermächtnis des 1990 verstorbenen venezianischen Komponisten. Die »Tragedia dell–ascolto« lotet die Geschichte und Mythologie der abendländischen Kultur aus: mit Texten von Hesiod, Ovid, Aischylos, Walter Benjamin, Hölderlin und Rilke, mit Anklängen an die klassische Vokalpolyphonie der Renaissance, an Robert Schumann, Giuseppe Verdi, Gustav Mahler und Arnold Schönberg. Und sie bewegt sich mit ihrer Musik in die Vision der Zukunft und deren ungehörte Möglichkeiten vor: mit vier Orchestergruppen, Chor, Rezitatoren, zwei Dirigenten, zahlreichen Gesangs- und Instrumentalsolisten und einer meisterhaft geführten elektronischen Verwandlung der Klänge in einem unbekannten, utopischen Raum des Hörens. Unvergessen ist die Berliner Aufführung des »Prometeo« von 1988 im Kammermusiksaal der Philharmonie in Anwesenheit des Komponisten.
Das Finale des musikfest berlin 2011 bringt den »Prometeo« an diesen besonderen Ort seiner erstmaligen Berliner Präsentation zurück, zeitgleich und alternierend mit Gustav Mahlers verwandter »Sinfonie der Tausend« mit den Berliner Philharmonikern im Großen Saal der Philharmonie. Zwei große, die überkommenen Formen sprengende Weltentwürfe. Zwei Monumentalkonzeptionen, beide fasziniert vom Gesang der menschlichen Stimme. Ein Festivalfinale, das den faustischen Anfang des 20. Jahrhunderts mit seinem prometheischen Ende verbindet.
Die Produktion des »Prometeo« knüpft an die Initiative »Vereinte Klassik« zwischen dem Konzerthaus und der Berliner Philharmonie der vergangenen Spielzeit an – veranstaltet und produziert von musikfest berlin der Berliner Festspiele, konzipiert in Verbindung mit den Salzburger Festspielen, gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.
Der Blick auf den Klang
»Prometeo« war die letzte große Musiktheaterarbeit von Luigi Nono. Der Filmemacher Norbert Beilharz stellte Filmaufnahmen von zwei unterschiedlichen Inszenierungen dieses Stückes in einen Kontext: Szenen der Uraufführung aus dem Jahr 1984 in der Kirche San Lorenzo in Venedig unter der Leitung von Claudio Abbado und Bilder von einer Inszenierung der Salzburger Festspiele 1993 mit Ingo Metzmacher am Dirigentenpult. Vor der Aufführung im Rahmen des musikfest berlin wird dieser Film nun im Konzerthaus zu sehen sein. Zwischen den eindrucksvollen Bildern, die uns zwei Herangehensweisen an dieses zweifellos große Stück Neuen Musiktheaters nahe bringen, begegnet uns der Komponist Luigi Nono im Film selbst und spricht über die Philosophie seiner Musik.
Der Blick auf den Klang: »Prometeo. Eine Tragödie des Hörens«
Montag, 12.9.2011 |/ 20.00 Uhr / Konzerthaus Berlin, Musikclub
Ein Film von Norbert Beilharz, Deutschland 1993
musikfest berlin 2011: »Prometeo. Eine Tragödie des Hörens«
Fr, 16.9. – Sa, 17.9.2011 / 20.00 Uhr / Philharmonie Berlin, Kammermusiksaal
Konzerthausorchester Berlin
Instrumentalsolisten des Ensemble Modern
– Solistenchor Schola Heidelberg (Einstudierung: Walter Nußbaum)
– Experimentalstudio Freiburg des SWR
– (Klangregie/Künstlerische Koordination: André Richard)
– Arturo Tamayo Dirigent
– Matilda Hofman Dirigentin
– Elin Rombo Sopran
– Silke Evers Sopran
– Susanne Otto Alt
– Hubert Mayer Tenor
– Caroline Chaniolleau Sprecherin
– Mathias Jung Buch und Sprecher
Luigi Nono »Prometeo. Tragödie des Hörens« nach Texten u.a. von Aischylos, Walter Benjamin und Friedrich Hölderlin, zusammengestellt von Massimo Cacciari für fünf Vokalsolisten, zwei Sprecher, Chor, Solostreicher, Solobläser, Gläser, vier Orchestergruppen, Live-Elektronik und zwei Dirigenten
Eine Veranstaltung des musikfest berlin / Berliner Festspiele.
Eine Produktion des musikfest berlin / Berliner Festspiele in Zusammenarbeit mit dem Konzerthausorchester Berlin, der Stiftung Berliner Philharmoniker und den Salzburger Festspielen.
Gefördert mit Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.

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