NABU-Studie warnt vor einseitigem Fokus des Bioökonomierats der Bundesregierung

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„Es ist eine herbe Enttäuschung, dass der von der
Bundesregierung eingesetzte Bioökonomierat keine wirklich neuen
Strategien entwickelt, sondern einfach die alten Denkmuster
fortsetzt, dass Ingenieurskunst und technischer Fortschritt schon
irgendwie all die Probleme der wachsenden Weltbevölkerung und
schwindenden Ressourcen lösen könnten“, kritisiert NABU-Präsident
Olaf Tschimpke. Der NABU hat ein Gutachten vorgelegt, das die
Empfehlungen des Bioökonomierates unter die Lupe nimmt. „Im
Mittelpunkt dieser Strategie stehen Produktionssteigerung und
Biotechnologie. Versprochen werden moderne, gentechnisch veränderte
Allzweckwaffen, die den Energiekonsum und die Welternährung sichern
werden und mit technischem Fortschritt all die akuten Probleme der
Umweltzerstörung mit Dürren und Überflutungen aus der Welt schaffen
würden, suggeriert der Bioökonomierat – Aber diese Haltung ist nicht
wissensbasiert, sondern gründet auf reinen Wunschträumen“, resümiert
Tschimpke die NABU-Studie.

Bis 2050 werden neun Milliarden Menschen auf der Welt leben,
zugleich schwinden die Erdölreserven und die Umweltausbeutung und der
bedrohliche Klimawandel nehmen zu – das neue Zauberwort zur Lösung
dieser Probleme lautet Bioökonomie. Klar ist: Wir können die
Ressourcen der Welt nicht weiter plündern und zerstören, unser
Verbrauch an Rohstoffen und Energie muss in Zukunft nachhaltig sein,
also nachwachsen. Die notwendige Strategie dafür entwickelt in
Deutschland der Bioökonomierat. Er lieferte mit seinen Gutachten die
Grundlagen für das Rahmenprogramm „Bioökonomie 2030“, für das die
Bundesregierung 2,4 Milliarden Euro bereitgestellt hat.

Problematisch ist, dass der „Forschungs- und Technologierat
Bioökonomie“ sich nahezu ausschließlich auf technologische Lösungen
beschränkt, kritisiert die NABU-Studie. „Eine Auseinandersetzung mit
der Frage, inwieweit die dramatischen aktuellen Probleme Folgen des
Lebensstils der reichen Länder, der Grünen Revolution und des
Erdölrausches sind, sucht man beim Bioökonomierat vergebens“, erklärt
Tschimpke.

Der Bioökonomierat setzt primär auf die Forschung in den Bereichen
Gentechnologie und synthetische Biologie/Systembiologie, um diverse
Zielkonflikte zu entschärfen. So soll die Rohstoffbasis des
Wirtschaftens verändert, Biomasse verstärkt als Energieträger
angeboten und zugleich die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung
sichergestellt werden. Die daraus resultierende Konkurrenz der
Landnutzungen soll allein durch die Intensivierung bioökonomischer
Ansätze entschärft werden. „Grundsätzlich richtet sich der Rat dabei
auf Wachstum aus und wie dieses permanente Steigerungs-Diktat
stimuliert werden kann“, kritisiert Olaf Tschimpke. Begrenzungen des
Wachstums werden zwar gesehen, aber der Rat geht davon aus, dass neue
technologische Möglichkeiten diese Grenzen überwinden werden. „So
setzt der Bioökonomierat ganz auf das Motto „mehr vom selben“ und
löst mit seiner Fixierung auf technischen Fortschritt keines der
Probleme, die aus eben diesem zu engen Verständnis von Natur und
Umwelt resultieren.“

Die Transformation der Gesellschaft für ein „biobasiertes“
Zeitalter setzt eine offene Debatte mit der Zivilgesellschaft und dem
Parlament voraus. „Viele der vom Bioökonomierat aufgeworfenen Fragen
sind richtig und wichtig. Aber sie dürfen eben nicht bloß von einem
demokratisch nicht legitimierten Rat behandelt werden“, betont
Tschimpke. So geht der NABU Bundesverband gemeinsam mit der
Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) und der Evangelischen
Akademie Villigst einen ersten Schritt und diskutiert am 12.
September auf einer öffentlichen Veranstaltung gemeinsam mit
Wissenschaftlern und Abgeordneten das Gutachten des Bioökonomierates
sowie die wesentlichen Kritikpunkte der NABU-Studie.

Studie unter: www.nabu.de/biooekonomie

Einladung zum Workshop unter:
http://www.nabu.de/themen/gentechnik/hintergrund/index.html

Für Rückfragen:

Dr. Steffi Ober, NABU-Referentin für Agrogentechnik, Telefon mobil
0172 5254 198 Im Internet unter: http://www.nabu.de/themen/nachhaltig
keit/nachhaltigkeitsforschung/13616.html

Originaltext vom NABU

Pressekontakt:
NABU-Pressestelle, Telefon: 0 30.28 49 84-1510, -1722,
Telefax: 0 30.28 49 84-2500, E-Mail: Presse@NABU.de

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