Neue OZ: Kommentar zu Burschenschaften

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Verein von gestern

Die Diskussion darüber, wer deutsch genug ist für eine deutsche
Burschenschaft, klingt für Außenstehende unglaublich. Absurd scheint
es, Bewerber danach beurteilen zu wollen, ob sie „deutscher“,
„abendländisch-europäischer“ oder „nicht abendländisch-europäischer“
Herkunft sind. Wo sind wir hier gelandet?

An der Wartburg treffen sich zurzeit stramm rechte Akademiker zu
ihrem jährlichen Burschentag. Im Schein ihrer Fackeln singen sie
traditionell alle drei Strophen des Deutschlandliedes, und in der
Festrede tauchen Worte wie „Deutschfeindlichkeit“ auf. Es wird
prophezeit, dass Zuwanderung die „Umwandlung des deutschen Volkes“
nach sich ziehe. Das ist unverhohlen deutschnational und könnte genau
so auf einem NPD-Parteitag geäußert worden sein. Dass sich die
Burschenschaften in Deutschland in Ultrarechte und Liberalere
spalten, ist spätestens seit dem Austritt moderater Gruppen aus ihrem
umstrittenen Dachverband bekannt. Mit der Idee eines Herkunftsbelegs
stellt sich dieser endgültig in die rechte Ecke. Es ist an den
Moderaten, die Studentenverbindungen ins 21. Jahrhundert zu führen.
Dazu gehört, unreflektierten Traditionsgehorsam zu hinterfragen, ihr
Selbstverständnis zu modernisieren und ihre Werte einer aufgeklärten
und offenen Gesellschaft anzupassen. Ansonsten bleiben solche
Burschenschaften ein Verein von gestern.

Cornelia Mönster

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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