Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Gericht erlaubt Tötung männlicher Küken Empörung allein schafft keine Lösungen Wolfgang Mulke

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Die Hühnerbarone sind erfreut, Tierschützer
empört über das Urteil eines Gerichts in Münster. Die Richter halten
das Schreddern männlicher Küken für rechtens, weil der Aufwand, sie
ohne wirtschaftlichen Nutzen groß zu ziehen, als unverhältnismäßig
hoch einzustufen ist. Das mag noch nicht das letzte Wort sein, das am
Ende des Rechtsstreits wohl von einem obersten Gericht gesprochen
werden muss. Doch die zu entscheidende Frage berührt ein immer
wiederkehrendes Kernproblem des Umgangs mit der Natur, des Umgangs
mit Nutztieren. Wie weit darf der Mensch gehen, wie viel Leid
verursachen, wenn es um die Produktion von Nahrungsmitteln geht? Die
ethisch begründete Kritik der Tierschützer trifft bei weiten Teilen
der Bevölkerung auf offene Ohren und Herzen. Doch greift sie zu kurz.
Es gibt keine ganz einfache Methode, die lebensverachtende Praxis der
Eierindustrie zu beenden. Wer glaubt, dass ein Verbot ausreicht und
alles ist gut, irrt. Dann finden die moralischen Schweinereien halt
anderswo statt, wo Volk und Regierung nicht so genau hinschauen. Das
Prinzip der Problemverlagerung lässt sich derzeit ganz gut bei der
europäischen Flüchtlingspolitik beobachten. In diesem Lichte
betrachtet erscheint die Linie der Bundesregierung, auf ein
technisches Verfahren zur frühzeitigen Geschlechtserkennung zu
setzen, was das sinnlose Töten unnötig werden lässt, vernünftiger. So
eine eher verträgliche Lösung kann dann als Vorbild für andere dienen
und dieses Problem auch anderswo beseitigen helfen. Vor allem aber
verkennt die Empörung, die nach einfachen Antworten schreit, die
tiefere Ursache der gängigen Praxis. Das Nutztier ist ein
Wirtschaftsgut. Fleisch, Milch, Käse oder Eier werden von den
Konsumenten gerne viel und billig verbraucht. Es sind oft genug
dieselben, die einerseits die Agrarindustrie anprangern, aber beim
Einkauf streng auf die Preise achten und bei der nächsten Grillparty
aus Angst vor Mangelerscheinungen doppelt so viel einkaufen wie
benötigt. Wenn sich die Konsummuster nicht ändern, wird sich auch an
den Erzeugungsbedingungen nichts ändern.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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