NRZ: Das Ende der alten Sozialdemokratie – ein Kommentar von JAN JESSEN

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Die alte SPD ist kaputt. Parteikarrieren, die mit
dem Aufstieg die Persönlichkeit oftmals abschleifen, aber Autorität
verschaffen, sind längst kein Garant mehr für den Verbleib in
Spitzenpositionen. Andrea Nahles, in eine Arbeiterfamilie
hineingeboren, begnadete Netzwerkerin, Juso-Vorsitzende und
erfolgreiche Ministerin, ist an der neuen SPD gescheitert.

Sie hat als Parteivorsitzende nicht funktioniert, weil sie nicht
in der Lage war, der Basis das Gefühl zu geben, sie angemessen zu
repräsentieren. Zu ungelenk, zu kindisch waren ihre Auftritte, zu
plump die Ansprache.

In den Ortsvereinen, da, wo sich die Leute vor Wahlen immer noch
krumm machen, weil sie an die Geschichte und die Ideale der SPD
glauben, war kaum ein Mensch zu finden, der hinter Nahles stand.

Es grummelt seit geraumer Zeit an dieser Basis. Sie lässt sich
nicht befrieden, weil sie zutiefst verunsichert ist und nicht weiß,
ob die SPD überhaupt eine Zukunft hat.

Nahles ist zum Opfer dieser Wut geworden, die von der Basis nach
oben transportiert wird, bis ins Willy-Brandt-Haus, bis in den
Bundestag. Das ist das Neue an der SPD. Die Macht der Funktionäre
schwindet, der Einfluss der Basis wächst. Das ist eine gute
Entwicklung, weil sie die SPD demokratischer macht.

Die Partei sollte die Chance nutzen, und die Basis mehr denn je
einbinden. Nicht nur bei der Suche nach einem Nachfolger oder einer
Nachfolgerin von Andrea Nahles. Sondern auch bei der programmatischen
Selbstfindung, der Suche danach, wofür die Sozialdemokratie heute
steht.

Dazu braucht die Partei Ruhe und Zeit. Sie muss sich selbst ins
Abklingbecken legen.

Deswegen ist ein Ende der Großen Koalition unumgänglich. Genug
Sollbruchstellen gibt es, sei es der Klimaschutz, sei es die Rente.
Sollte es zu Neuwahlen kommen, wird die SPD keine Lorbeeren ernten.

Sie könnte sich aber in der Opposition neu sortieren und ein
Profil entwickeln, sie könnte wieder als klar sozialdemokratisch
erkennbare Politikangebote machen. Schlechter kann es nicht mehr
werden.

Pressekontakt:
Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung
Redaktion

Telefon: 0201/8042616

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