WESTFALEN-BLATT: Kommentar zu Annegret Kramp-Karrenbauers Rücktritt

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Alles auf Anfang: Annegret Kramp-Karrenbauer kapituliert und
lässt die CDU in einem ziemlich ramponierten Zustand zurück. 14 Monate nach
ihrer Wahl zur Parteivorsitzenden, die im besten Falle auch gleich die Frage der
Kanzlerkandidatur in ihrem Sinne hätte klären sollen, erkennt die 57-Jährige,
dass ihr das alles Entscheidende zum politischen Erfolg fehlt: der Rückhalt in
den eigenen Reihen.

Schon länger hatten einflussreiche Christdemokraten immer mal wieder
durchblicken lassen, dass es schwer werden dürfte, die Basis für einen
AKK-Wahlkampf zu mobilisieren. Offen sagen wollte das natürlich keiner – so
funktioniert das halt unter Parteifreunden. Und auch Annegret Kramp-Karrenbauers
Rivalen hatten nie erklärt, dass sie bereit sind, sich voll und ganz hinter der
CDU-Frontfrau zu versammeln. Das gilt für Friedrich Merz wie für Armin Laschet,
wenn beide auch in Auftreten wie in Strategie unterschiedlicher nicht sein
könnten.

Dass ihr im Zuge des Thüringen-Desasters auch noch ihre Amtsvorgängerin Angela
Merkel in die Parade fuhr, muss für Annegret Kramp-Karrenbauer endgültig das
Signal zum Aufgeben gewesen sein. Denn wenn die Kanzlerin entgegen ihrer
Gewohnheit aus dem Ausland zu einer innenpolitischen Frage in dieser Art und
Weise Stellung nimmt, wie sie es getan hat, kann das nur eines bedeuten: Auch
Angela Merkel hat den Glauben an Annegret Kramp-Karrenbauers Führungsstärke und
Durchsetzungskraft endgültig verloren.

Annegret Kramp-Karrenbauer hinterlässt kein bestelltes Feld, sondern einen kreuz
und quer durchpflügten Acker. Daran ist gewiss nicht sie alleine schuld, dafür
trägt auch Angela Merkel ein gehöriges Stück Mitverantwortung. Denn selbst wenn
AKK vom ersten Tag an alles in ihrem Sinne hätte regeln können, hätte sie
trotzdem mit dem Erbe von 18 Jahren Angela Merkel zu kämpfen gehabt.

Gleichwohl hat Kramp-Karrenbauer nach ihrer Wahl auf dem Hamburger Wahlparteitag
im Dezember 2018 so ziemlich alles falsch gemacht, was sie falsch machen konnte.
Symbolisch steht der missglückte Karnevalswitz für ihre beinahe durchgehend
falsche Themensetzung, für missglücktes Timing und haarsträubende
Kommunikationspannen. Heute weiß die CDU weniger denn je, wo sie steht und wofür
sie steht. Die Konfusion von Thüringen ist symptomatisch – von AfD bis Linke
scheint beinahe alles möglich. Es fehlt ein Kompass, und ohne den kann es keinen
klaren Kurs geben. Die CDU ist ernsthaft in Gefahr, ihren Status als letzte
echte Volkspartei Deutschlands zu verlieren.

Pressekontakt:

Westfalen-Blatt
Ulrich Windolph
Telefon: 0521 585-261
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