21. Tag der Zahngesundheit: „Gesund beginnt im Mund – je früher, desto besser“ / Presseinformation des Aktionskreises zum Tag der Zahngesundheit 2011

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Das Motto, das der Aktionskreis zum Tag der
Zahngesundheit in diesem Jahr als zentrale Botschaft ausgegeben hat,
ist zugleich Credo der präventionsorientierten Zahnheilkunde
schlechthin: „Gesund beginnt im Mund – je früher, desto besser“
heißt es im Jahr 2011 und damit auch bei tausenden kleinerer und
größerer Veranstaltungen und Aktionen rund um den 25. September, dem
traditionellen „Tag der Zahngesundheit“ in Deutschland.

Im Fokus der zentralen Pressekonferenz zum Tag der Zahngesundheit
2011, die am 16. September in Berlin stattfand, standen insbesondere
die Kinder und der frühzeitige Schutz ihrer Mundgesundheit. Dass dies
leichter gefordert als eingelöst ist, machte Prof. Dr. Dietmar
Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, deutlich: „Die
Entwicklungen sind durchaus heterogen.“ Einerseits könnten sehr
beeindruckende Erfolge bei einem großen Anteil der Kinder
festgestellt werden. So habe sich beispielsweise die Karieslast bei
12-Jährigen in den vergangenen 25 Jahren um immerhin 80 % verringert:
„Diese Entwicklung hat sicher eine Vorbildfunktion für das gesamte
deutsche Gesundheitswesen.“ Andererseits gebe es eine vergleichsweise
kleine Gruppe, die nach wie vor mit deutlichen
Mundgesundheitsproblemen zu kämpfen habe. Besonders betroffen seien
Kinder aus bildungsfernen und sozial schwachen Schichten sowie viele
Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund, auch wenn sie schon in
der zweiten oder dritten Generation in Deutschland leben.

Auch nehme die frühkindliche Karies bei Kindern bis zu drei Jahren
zu: „Annähernd die Hälfte der kariösen Defekte, die zum Zeitpunkt der
Einschulung vorhanden sind, entstehen bereits in den ersten drei
Lebensjahren“, sagte Professor Oesterreich. Dabei spiele nach wie vor
die sog. Nuckelflaschenkaries eine negativ herausragende Rolle:
Kinder erhielten regelmäßig und zu lange eine Nuckelflasche mit
gesüßten oder fruchtsäurehaltigen Getränken: „Folgen sind bereits in
dieser Altersphase tiefgreifende Zerstörungen, insbesondere der
oberen Frontzähne, verbunden zumeist mit massiven Beschwerden und
nicht selten aufwendiger Zahnentfernungen unter Vollnarkose.“ Eine
große Herausforderung sei zudem die derzeit noch zu hohe Anzahl nicht
behandelter Milchzahndefekte – es müsse erreicht werden, dass die
Kinder früher in den Zahnarztpraxen vorgestellt würden, um Eltern
über die Bedeutung der Mundgesundheit für die Kindesentwicklung
informieren zu können: „Eine gute Mundgesundheit bei Kindern ist die
Basis für die gesamte gesunde körperliche Entwicklung und
Voraussetzung für gesunde Zähne im Erwachsenenalter.“ Professor
Oesterreich empfahl eine Vernetzung von Gynäkologen und Zahnärzten
für die frühzeitige Aufklärung werdender Mütter sowie eine engere
Zusammenarbeit mit den Kinderärzten. Hier gebe es gute Beispiele auf
Landesebene, die institutionalisiert werden müssten. Professor
Oesterreich: „Es gilt, gegenseitige Kompetenzen anzuerkennen,
Synergien zu suchen und einheitliche Botschaften zu vermitteln.“
Notwendig seien zudem eine bundesweite Verbreitung der zahnärztlichen
Kinderpässe und die Schaffung entsprechender gesetzlicher
Rahmenbedingungen durch die Gesundheitspolitik. Auch seien Maßnahmen
der Gruppenprophylaxe verstärkt für die jüngsten Kinder zu
entwickeln.

Dass sich auch die Kinder- und Jugendärzte für Mundgesundheit
engagieren, verdeutlichte Dr. med. Ulrich Fegeler,
Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte
e. V.: „Kinder- und Jugendärzte haben im Rahmen der gesetzlichen
Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten den Zugang zu fast
allen Säuglingen und Kleinkindern. Im Rahmen dieser Untersuchungen
können sie die notwendige Information und Anleitung der Eltern
leisten und so einen wichtigen primärpräventiven Beitrag zur
Vermeidung von Karies beisteuern.“ Verschiedene
Früherkennungsuntersuchungen auf Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten
gehörten laut Sozialgesetzbuch auch in den Leistungskatalog der
Ärzte- allerdings ließe die Umsetzung in Beratungsleistungen für
Eltern unverständlicherweise bis heute auf sich warten: „Die
intensive Beratung der Eltern in den ersten Lebensjahren ist ganz
entscheidend für die dringend notwendige Senkung der Häufigkeit von
Zahnkaries und auch von Zahnfehlstellungen.“

Wie wichtig die ersten Lebenswochen bereits im Mutterleib für eine
gesunde Zahn- und Kieferentwicklung sind, zeigte Prof. Dr. Dr. Ralf
J. Radlanski/Charité mit eindrucksvollen Beispielen aus dem Bereich
der Biologie: „Schon die Entwicklung eines einzelnen Zahnes stellt
höchste Ansprüche an die Leistungsfähigkeit und Koordination jeder
einzelnen der mehr als 100.000 beteiligten Zellen.“ Damit die
Körperzellen diese Leistung auch störungsfrei erbringen können, sei
die Gesundheit des ungeborenen Kindes und seiner Mutter notwendig.
Nach der Geburt gelte es, mit altersgerechter Mundpflege, Ernährung
und Infektionsvermeidung die Zähne gesund zu erhalten und auch die
Entwicklung eines dauerhaft funktionsfähigen Gebisses im Auge zu
behalten: „Dafür sind die korrekte Zuordnung der Zähne zueinander und
ihre langfristige, stabile Stellung wichtig.“ Professor Radlanski
rief Eltern und Betreuer von Kindern bis zu drei Jahren dazu auf,
mehr auf einen korrekten Mundschluss und die richtige Ruhelage der
Zunge am Gaumen statt im Mundboden zu achten: „Je früher man sich
darum kümmert, dass das physiologisch korrekte Gleichgewicht zwischen
Zunge und Mund-Muskulatur eingestellt, geübt und beibehalten wird,
desto besser.“ Es gehe dabei, das müsse den Eltern bewusst werden,
nicht „nur“ um gesunde Zähne, sondern um eine gesunde Entwicklung
insgesamt und nicht zuletzt die des Gesichts, „mit dem man in die
Welt schaut.“

Dass der diesjährige Tag der Zahngesundheit seinen Blick „auf die
jüngsten unserer Versicherten richtet“, wie Dr. Michael
Kleinebrinker, Referent für die vertragszahnärztliche Versorgung beim
GKV-Spitzenverband, sagte, werde von den Krankenkassen ausdrücklich
begrüßt: Trotz aller Erfolge auf dem Gebiet der Mundgesundheit in den
letzten Jahren gebe es ganz besonders bei den Jüngsten immer noch
Einiges zu tun. Die Kassen hätten in den vergangenen zehn Jahren
kontinuierlich das finanzielle Engagement auf dem Gebiet der
zahnmedizinischen Prophylaxe gesteigert – von rd. 373 Mio. Euro im
Jahr 2000 auf mehr als 500 Mio. Euro im Jahr 2010; im selben Zeitraum
sei der Anteil der Prophylaxe-Leistungen an den Gesamtausgaben für
die zahnärztliche Behandlung von 3,4 Prozent auf fast 4,5 Prozent
gestiegen. Mit Blick auf die hohe Karieserfahrung von Schulanfängern
meinte Dr. Kleinebrinker: „Wir müssen nach neuen Wegen suchen, um die
Karies, die im Alter zwischen sechs Monaten und sechs Jahren
entsteht, zu stoppen oder zumindest zu reduzieren.“ Aus Sicht der
Krankenkassen sei es erforderlich, so früh wie möglich die
Aufmerksamkeit der Eltern für die Mundgesundheit ihrer Kinder zu
wecken, mit der systematischen Betreuung der Kinder früher als bisher
und zielgruppengerichtet zu beginnen und die beteiligten Akteure
stärker zu vernetzen. Notwendig wäre zudem eine wissenschaftliche
Evaluierung von Maßnahmen zur Senkung der frühkindlichen Karies sowie
die Vermeidung „rivalisierender Konzepte“.

Dr. Kleinebrinker wünschte sich ebenso wie Professor Oesterreich,
Professor Radlanski und Dr. Fegeler, dass der diesjährige Tag der
Zahngesundheit dazu beitragen möge, die Bevölkerung und auch die
eigenen Berufsgruppen für das Thema frühkindliche Karies zu
sensibilisieren.

Hintergrund-Informationen zum Tag der Zahngesundheit (der Tag
selbst ist alljährlich der 25. September) und zum Aktionskreis sowie
Hinweise zu geplanten regionalen Veranstaltungen 2011 unter
www.tag-der-zahngesundheit.de

ANHANG

Sechs wichtige Forderungen für eine gesunde Entwicklung von Zähnen
und Kaufunktion, zusammengestellt von Prof. Dr. Dr. Ralf J.
Radlanski/Charité:

1. Gesunde Ernährung der Schwangeren. Alle Zellen des Fetus müssen
störungsfrei leben können.

2. Gesunde Ernährung des Kindes. Alle Zellen müssen einen gesunden
Stoffwechsel aufrechterhalten können.

3. Mundhöhlenmilieu bakteriell in Balance. Für die Mundgesundheit
schädliche Keime werden beim Ablecken von Löffeln oder „Sauberlecken“
eines Schnullers von den Eltern auf das Kind übertragen.

4. Tägliche Mundhygiene mit den Kindern. Zähneputzen soll
verinnerlicht werden. Anfangs müssen Eltern die Zähne gründlich
vorputzen, die Kinder putzen danach selbst, je nach ihrem Können und
mit wachsendem Alter immer mehr. Wichtig: Die Eltern müssen das
erfolgreiche Zähneputzen immer kontrollieren (und loben).

5. Zeitgerechter Zahndurchbruch und physiologisch korrekte
Zahnstellung. Eine Kontrolle des Zahnwechsels ist mit 6 Jahren
notwendig, eine Kontrolle der Zuordnung der Kiefer mit 10 Jahren.

6. Regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt beginnend mit dem
ersten Lebensjahr. Auch Erwachsene sollten für „Mundgesundheit ein
Leben lang“ den Zustand der Zähne selbst und auch ihre Lage
zueinander regelmäßig prüfen lassen. Sie sind damit selbst das beste
Vorbild für die Kinder.

Pressekontakt:
Birgit Dohlus / Pressestelle Tag der Zahngesundheit
Telefon: 030 / 3082 4682, Telefax: 3082 4683, E-Mail:
info@zahndienst.de

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