Klimakrise: Wir haben es mit einem Politikversagen der Bundesregierung zu tun (AUDIO)

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Ann-Kathrin Schneider, Klimaexpertin beim Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND), über die aktuelle Hitzewelle und den
Zusammenhang mit der Klimakrise:

Anmoderationsvorschlag: Die Hitze erreicht in diesen Tagen weiter
Rekordwerte – gleichzeitig häufen sich die Meldungen wegen
Ernte-Einbußen, Waldbränden und Fischsterben. Der Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) hat deshalb einen Klima-Nothilfeplan
entworfen. Darin werden Maßnahmen gefordert, die die Bundesregierung
sofort ergreifen kann, um die Auswirkungen der Klimakrise zu
begrenzen. Darüber sprechen wir mit der BUND-Expertin Ann-Kathrin
Schneider.

Erste Frage: Frau Schneider, ist die aktuelle Hitzewelle schon der
Klimawandel?

O-Ton 1 (Ann-Kathrin Schneider, 39 Sek.): Die Hitze und die Dürre,
die wir jetzt gerade hier in Deutschland erleben, sind Folgen des
Klimawandels. Die letzten drei Jahre – 2015, 2016 und 2017 – waren
die wärmsten Jahre, die je gemessen worden sind und wir müssen davon
ausgehen, dass auch dieses Jahr mit diesem heißen Sommer wieder das
wärmste Jahr wird, das je gemessen worden ist. Klimawissenschaftler
haben gesagt, dass sich die extremen Wetterereignisse wie Hitze und
Dürren in Zeiten des Klimawandels viel öfter wiederholen werden als
wenn es keinen Klimawandel gibt. Von daher müssen wir von einem
Klimawandelfolgen-Sommer ausgehen.

Zweite Frage: Was genau ist denn der Unterschied zu anderen heißen
Sommern?

O-Ton 2 (Ann-Kathrin Schneider, 49 Sek.): Das Besondere an diesem
Sommer ist, dass er sehr früh begonnen hat, also schon im April
dieses Jahr hatten wir in Pakistan Temperaturen von 50 Grad. Die
wurden noch nie auf der Welt in einem April gemessen, die 50 Grad.
Auch in skandinavischen Ländern hat der Sommer sehr früh begonnen.
Dort wurden 30 Grad gemessen, schon im Mai. Also wir haben es mit
einem sehr langen Sommer zu tun und wir haben es nicht nur mit der
Hitze zu tun, sondern auch mit der Dürre. Es hat insgesamt diesen
Sommer auf der Nordhalbkugel sehr wenig geregnet. In Litauen hat es
zum Beispiel seit April gar nicht mehr geregnet und auch in anderen
europäischen Ländern, wie auch jetzt hier bei uns in Nord- oder
Ostdeutschland hat es sehr wenig geregnet. Das Besondere ist also,
dass der Sommer sehr lang ist und die Hitze mit einer Dürre gekoppelt
ist.

Dritte Frage: Wer ist von der extremen Hitze am meisten betroffen?

O-Ton 3 (Ann-Kathrin Schneider, 39 Sek.): Also wir alle sind von
dieser extremen Hitze betroffen. Es fällt uns schwerer zu arbeiten,
wenn es so heiß ist, es ist schwieriger zu schlafen, wenn es so heiß
ist. Aber Menschen mit gesundheitlichen Problemen, ältere Menschen
oder auch Kinder sind besonders stark von dieser Hitze betroffen. Es
werden mehr Menschen in Krankenhäuser eingeliefert, wenn es so heiß
ist. Und der letzte vergleichbar heiße Sommer, den wir Europa hatten
– 2003 – da gab es 70.000 Tote aufgrund der Hitze.

Vierte Frage: Und die Natur?

O-Ton 4 (Ann-Kathrin Schneider, 37 Sek.): Besonders stark
betroffen sind die Flüsse und die Wälder. Wir hatten die ersten
Waldbrände in Europa. In Deutschland hatten wir auch schon Waldbrände
in diesem Sommer. Besonders stark gebrannt hat es jedoch in
Skandinavien, in Schweden. Jedoch auch in Griechenland und in
Portugal gab es schlimme, starke Waldbrände dieses Jahr. Neben den
Wäldern sind auch die Flüsse betroffen. Wir können in Deutschland
jetzt ein Fischsterben beobachten. Tonnenweise tote Fische werden aus
dem Rhein, der Elbe und der Alster gefischt. Die Flüsse werden
einfach zu warm, haben nicht mehr genug Sauerstoff und daran sterben
die Fische.

Fünfte Frage: Was tut eigentlich die Bundesregierung in dieser
Situation?

O-Ton 5 (Ann-Kathrin Schneider, 33 Sek.): Die Bundesregierung tut
zu wenig, wir haben es hier mit einem Politikversagen zu tun. In
allen gesellschaftlichen Bereichen reden die Menschen darüber, wie
die Hitze ihr Leben beeinträchtigt, ihr Wirtschaften beeinträchtigt,
ihre Arbeit beeinträchtigt und von der Bundesregierung hören wir
nichts zu dem Thema. Das einzige, das wir hören ist, dass das
Landwirtschaftsministerium plant, unter Umständen Dürrehilfen an die
bäuerlichen Betriebe zu geben, die am stärksten von der Hitze und der
Dürre betroffen sind. Aber insgesamt haben wir es hier mit einem
Politikversagen der Bundesregierung zu tun.

Sechste Frage: Was könnte die Bundesregierung denn tun?

O-Ton 6 (Ann-Kathrin Schneider, 57 Sek.): Die Bundesregierung
könnte sehr viel tun um den Klimawandel zu begrenzen. Leider hat sie
in den letzten zehn Jahren viel zu wenig getan. Die klimaschädlichen
Emissionen in Deutschland sind in den letzten neun Jahren
gleichgeblieben, sind also gar nicht gesunken. Im Bereich Verkehr
sind sie sogar noch angestiegen. Also wir müssen im Bereich Verkehr
zum Beispiel die Emissionen senken, mit einem generellen Tempolimit,
mit einer hohen Besteuerung von spritschluckenden Autos. Im Bereich
Energie muss die Bundesregierung sehr schnell jetzt die dreckigsten
und ältesten Kohlekraftwerke vom Netz nehmen. Und im Bereich
Landwirtschaft müssen wir runterkommen von der intensiven
Tierhaltung. Wir halten zu viele Tiere. Wenn man zu viele Tiere hält
in der Landwirtschaft gibt es Methan-Emissionen und die sind
klimaschädlich. Also auch in der Landwirtschaft kann ein Umbau in der
landwirtschaftlichen Produktion zum Klimaschutz in Deutschland
beitragen.

Abmoderationsvorschlag: Vielen Dank für das Gespräch, Frau
Schneider. Wer mehr über den Klima-Nothilfeplan des BUND erfahren
möchte, findet Informationen dazu unter www.bund.net/hitzepapier

Pressekontakt:
Ann-Kathrin Schneider, BUND-Klimaexpertin, Tel.: 030-27586-468,
E-Mail: annkathrin.schneider@bund.net, bzw. Katrin Matthes,
BUND-Pressereferentin, Tel.: 030-27586-531; E-Mail: presse@bund.net,
www.bund.net

Original-Content von: BUND, übermittelt durch news aktuell

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