Neue Studie zu Kosten der Atomkraft: Erneuerbare Energien günstiger als geplante AKW-Projekte in Osteuropa (Zum Tschernobyl-Jahrestag am 26.4.)

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Eine rein erneuerbare Stromerzeugung kann
bei gleicher Versorgungssicherheit günstiger sein als derzeit
geplante Atomkraftwerke in mehreren osteuropäischen EU-Staaten. Zu
diesem Ergebnis kommt eine Studie des Berliner Analyseinstituts
Energy Brainpool im Auftrag des Ökoenergieanbieters Greenpeace
Energy. So können die Kosten für flexibel steuerbare
Erneuerbaren-Systeme auf bis zu 100 Euro pro Megawattstunde sinken.
Aktuelle AKW-Projekte kosten hingegen bis zu 126 Euro pro
Megawattstunde. „Der finanzielle Vorsprung der Erneuerbaren wird noch
größer, wenn man zusätzliche Kosten für AKW-Störfalle und die noch
nicht eingepreiste Lagerung von Atommüll berücksichtigt“, sagt Nils
Müller, Vorstand bei Greenpeace Energy.

Polen, Ungarn, die Slowakei und Tschechien planen derzeit den Bau
von Atomkraftwerken – Ungarn zum Beispiel mit russischer
Reaktortechnik. Sie argumentieren dabei unter anderem mit der
Versorgungssicherheit. Die AKW-Projekte in Osteuropa hätten zusammen
eine Nettoleistung von 15,6 Gigawatt, was der Leistung aller zwischen
2011 und 2022 abgeschalteten deutschen Atomkraftwerke entspricht. Die
neue Studie von Energy Brainpool vergleicht erstmals die Kosten der
osteuropäischen AKW-Projekte mit denen eines verlässlich steuerbaren
Erneuerbaren-Kraftwerksystems. Dieses besteht aus Windkraft- und
Photovoltaik-Anlagen, deren Stromüberschüsse per Elektrolyse in
erneuerbaren Wasserstoff umgewandelt werden. Dieses „Windgas“ dient
als Speichermedium und kann bei Bedarf – etwa nachts oder bei
längeren Windflauten – in teils eigens gebauten Gaskraftwerken wieder
in Strom umgewandelt werden.

Ein solches flexibel einsetzbares Ökoenergie-Kraftwerkssystem kann
selbst bei derzeit teuren Finanzierungsbedingungen mit geplanten
Atomprojekten in Osteuropa konkurrieren: Die Stromgestehungskosten
lägen für Polen bei 112 Euro und in Tschechien bei 119 Euro je
Megawattstunde. „Arbeiten die vier Staaten zudem enger zusammen,
indem sie das entstehende Elektrolysegas je nach Bedarf über das
grenzüberschreitende Gasnetz verteilen und verbessern sie etwa über
EU-Bürgschaften die derzeit schwierigen Finanzierungsbedingungen, so
sinken die Kosten der Erneuerbaren sogar auf bis zu 100 Euro ab“,
sagt Fabian Huneke, Studienautor bei Energy Brainpool.

Die Studie zeigt außerdem, dass die offiziell angenommenen
Stromgestehungskosten für AKW-Projekte in Polen, der Slowakei,
Tschechien und Ungarn von derzeit bis zu 80 Euro je Megawattstunde
offenbar zu niedrig angesetzt sind: „Die Planwerte beim
Referenzprojekt Flamanville in Frankreich haben sich bisher mehr als
verdoppelt, Hinkley Point C in Großbritannien erhält letztlich mit
119 Euro pro Megawattstunde eine staatlich garantierte Förderung
deutlich über Marktpreisen“, so Analyst Huneke. „Warum gerade in den
osteuropäischen Staaten Reaktorprojekte bei gleichem
Sicherheitsstandard günstiger werden sollten als in Frankreich oder
Großbritannien, ist nicht ersichtlich.“

Greenpeace Energy appelliert daher direkt an die Regierungen der
vier Staaten, ihre Atompläne auf den Prüfstand zu stellen. „Der
Jahrestag von Tschernobyl mahnt, dass Atomkraft ehrlich betrachtet
nicht nur immense Kosten, sondern auch unbeherrschbare Risiken
beinhaltet“, sagt Nils Müller: „Die Erneuerbaren sind nicht nur
sicher, sondern bieten auch eine größere Energieunabhängigkeit, weil
keine Brennstoffe importiert werden müssen.“ Zudem bleibe bei
dezentralen erneuerbaren Systemen ein größerer Teil der Wertschöpfung
im eigenen Land.

Die deutsche Bundesregierung steht nach Ansicht von Müller hier in
der Pflicht: „Ein Atomunfall in einem der östlichen Nachbarstaaten
hätte auch verheerende Auswirkungen bei uns, und seine
wirtschaftlichen Folgen wären nur zu einem Bruchteil versichert“,
warnt der Greenpeace-Energy-Vorstand. Nun müsse Berlin endlich aktiv
gegen entsprechende Atompläne der Nachbarstaaten vorgehen und die
dortigen Regierungen von sauberen und sicheren Alternativen
überzeugen.

Redaktioneller Hinweis: Die Studie von Energy Brainpool steht in
deutscher und englischer Fassung unter
www.greenpeace-energy.de/presse.html zum Download bereit. Dort finden
Sie auch weiteres Info- und Bildmaterial.

Pressekontakt:
Christoph Rasch
Politik und Kommunikation
Greenpeace Energy eG
Telefon +49 (0) 40 808 110 658
christoph.rasch@greenpeace-energy.de
www.greenpeace-energy.de

Original-Content von: Greenpeace Energy eG, übermittelt durch news aktuell

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