neues deutschland: Kommentar zu Armut, Hartz IV und Jens Spahn: Ganz arme Vorstellung

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Im Gepäck hatte Jens Spahn »leckeren Obstkuchen«,
als er sich mit der Hartz-IV-Kritikerin Sandra Schlensog traf. Zu
einem Selbstversuch, vom Hartz-IV-Budget zu leben, will er sich aber
nicht hinreißen lassen: Viele Bürger könnten es als »Farce«
empfinden, wenn er versuche, mit ganz schmalem Geldbeutel zu leben –
sein »beruflicher Alltag« käme auch dann der realen Lage eines
Hartz-IV-Empfängers nicht nahe.

Nein, als eine derbe Komödie würden dies gewiss nicht viele
empfinden. Schon gar nicht jene, die von Armut betroffen sind oder
unter Hartz IV leiden. Eher als Verhöhnung. Für Obdachlose gibt es
keine »Generalprobe« in der Frage, wo sie nächste Nacht schlafen. Für
Millionen Vollbeschäftigte keine nächste »Vorstellung« neben einer
düsteren, wenn es um ihren Blick ins Alter geht. Für befristet
Beschäftigte keine Vorfreude auf die nächste »Spielzeit«, wenn der
Vertrag schon in einem halben Jahr wieder endet und ein weiteres
»Engagement« im Ungewissen liegt.

Insofern ist es gut, dass Spahn von diesem Selbstversuch absieht –
es wäre nicht mehr als ein Theaterstück mit doppeltem Boden.
Existenzielle und vorsorgliche Angst, Vereinsamung, Demütigung, die
durch Armut millionenfach in vielen Facetten herrscht und droht – das
wird einen Jens Spahn wohl nie ereilen. Das sei ihm gegönnt und
gewünscht. Nur eins noch: »Kuchen« und »Armut«, wenn auch nicht
historisch verbürgt – ein ganz ungünstiger Zusammenprall
verschiedener Lebenswelten.

Pressekontakt:
neues deutschland
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