neues deutschland: Kommentarüber den Erfolg des sudanesischen Volkes

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In Sudan haben die Menschen ein halbes Jahr lang
demonstriert. Dafür wurden sie diffamiert, getötet und vergewaltigt,
doch aufgegeben haben sie nicht. Die Menschen, angeführt durch ein
breites Bündnis von Parteien, Gewerkschaften, Berufsverbänden und
Stammesvertretern blieben friedlich, selbst als es danach aussah,
dass sie lediglich ihren langjährigen Diktator durch eine
Militärdiktatur ersetzt hatten. Am Freitag kam dann die lang ersehnte
Erfolgsmeldung: Drei Jahre bis zur Demokratie – Militär und
Opposition einigen sich auf Übergangsregierung.

Man muss der Zivilgesellschaft dafür gratulieren, gleichzeitig ist
Vorsicht geboten: Die gleiche Erfolgsmeldung wurde nämlich schon im
Mai verkündet. Ein paar Wochen später massakrierte das scheinbar
demokratiewillige Militär über 100 Demonstranten. Das größte
Oppositionsbündnis forderte damals vom Westen eine klare
Stellungnahme und Konsequenzen für den Verantwortlichen: General
Mohamed Hamdan Dagalo, alias »Hemeti«. Dieser soll auch jetzt ein
Protagonist der neu beschlossenen Übergangsregierung werden. Man darf
trotz allen Erfolgsmeldungen eben nie vergessen: Die politische
Situation in Sudan ist extrem fragil. Selbst wenn mächtige Generäle
wie »Hemeti« gelegentlich Zugeständnisse machen, entwaffnet sind sie
längst nicht. Doch das macht den jetzigen Erfolg der Bevölkerung
nicht weniger bewundernswert, im Gegenteil. Das Volk hat durch
friedlichen Protest seinen Diktator gestürzt und das Militär an den
Verhandlungstisch gezerrt, auch ganz ohne den Westen.

Pressekontakt:
neues deutschland
Redaktion

Telefon: 030/2978-1722

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