Westfalenpost: Fortgesetzter Skandal / Kommentar von Martin Korte zum Missbrauch in der katholischen Kirche

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Der Skandal besteht aus mehreren Dimensionen: Es ist
nicht allein die schiere Zahl von Missbrauchsfällen in der
katholischen Kirche, die fassungslos macht. Mindestens ebenso
ungeheuerlich ist der Umgang einer Barmherzigkeit predigenden
Institution bei der Aufarbeitung der Vorfälle und der Einleitung von
dringend notwendigen Konsequenzen. Die Autoren der Studie gehen ja
nicht nur von einer hohen Dunkelziffer aus. Sie kritisieren vielmehr,
dass die Kirche offenbar einschlägige Akten vernichtet hat, Taten
vertuscht und Täter schützt. Und das ist eine der schlimmsten
Aussagen der Wissenschaftler: Es besteht Grund zur Annahme, dass der
Missbrauch weiter anhält. Denkt eigentlich jemand an die Opfer? Die
Frage nach den Ursachen für den Missbrauch durch Kleriker ist
unbequem. Sie rüttelt an den Grundfesten der katholischen
Glaubenslehre. Dass ein Zusammenhang mit Zölibat und Homosexualität
besteht, liegt nahe. Solange die katholische Kirche zentralen
Mitarbeitern die Ausübung ihrer Sexualität verbietet, wird sie auch
das abscheulichste menschliche Fehlverhalten nicht gänzlich
verhindern können.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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