BERLINER MORGENPOST: Abriss allein ist keine Lösung – Bauschaden beim Bundestag muss Konsequenzen haben, Kommentar von Isabell Jürgens

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Auf Baustellen geht so einiges schief. Die
Erfahrung machen nahezu alle privaten Häuslebauer, und Berichte des
Bauherren-Schutzbundes belegen eindrucksvoll, dass der
Qualitätsschwund bei den Bauausführungen in Deutschland seit einigen
Jahren rapide zunimmt. Dass es nicht besser läuft, wenn die
öffentliche Hand als Bauherr auftritt, ist den Berlinern spätestens
seit dem Flughafendesaster BER in Schönefeld schmerzlich bewusst. Der
Airport, der vor sechs Jahren eröffnet werden sollte, kostet die
Steuerzahler statt der ursprünglich berechneten zwei Milliarden nun
mehr als sieben Milliarden Euro. Und ob es bei dem avisierten
Eröffnungstermin im Oktober 2020 bleibt, ist offen.

Insofern lassen die Nachrichten von einer anderen Großbaustelle in
Berlin die leiderprobten Berliner aufhorchen: Der Erweiterungsbau des
Bundestages im Regierungsviertel an der Spree hat so gravierende
Mängel, dass ein Abriss ernsthaft zur Debatte steht. Das im Rohbau
fertige Gebäude, das übrigens wie der BER 2012 in Betrieb gehen
sollte, hat Risse in der Bodenplatte, durch die Wasser eindringt.
Gutachten haben noch immer nicht klären können, ob sich der Schaden
beheben lässt. Die Abrissbirne allein ist jedoch keine Lösung des
generellen Qualitätsproblems auf den Bundesbaustellen. Von den 300
Projekten liegen mehr als 40 Prozent nicht annähernd im
ursprünglichen Zeit- und Kostenrahmen, hat jüngst eine Untersuchung
der Bau- und Raumkommission des Bundestages ergeben. Ein Großteil
dieser Bauvorhaben liegt in der Hauptstadt. Wenn das zuständige
Bundesamt nicht endlich so strukturiert und ausgestattet wird, dass
es seine Kontrollfunktionen auch tatsächlich wahrnehmen kann, werden
weitere Katastrophenmeldungen nicht ausbleiben. Die Vorschläge der
Reformkommission liegen längst auf dem Tisch. Sie müssen endlich
umgesetzt werden.

Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST

Telefon: 030/887277 – 878
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