Gauck – ein Beitrag fürs Stammbuch

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Brüssel, 18.03.2012 (COA). Michael Heynen, Politikberater in Brüssel, bietet folgende Notiz für das Stammbuch des neuen Bundespräsidenten, um vor allem seine Freude an der Freiheit für die Weiterentwicklung im Sinne –Transpersonaler Individualität– zu stärken.

Das Rad der Freiheit ist lange erfunden und oft verfeinert. Den Sinn der Freiheit immer wieder zu predigen, greift aber dennoch zu kurz, wenn sich Macht insbesondere freiheitlich verfasster politischer Systeme nahezu ausschliesslich aus der „gefühlten Freiheit“ des Über-Ichs legitimiert. Vor allem die deutsche Gesellschaft mit eindeutig korporativer Politiktradition ist hierfür sehr affin.

Die „Kraft durch Freude“ an der Freiheit kann sie ins Gegenteil verkehren, wenn Regieren bloss formal-administrative Formen und Symbole erzeugt, wenn also auch noch die freiheitlich-demokratische Individualität dem „Als-ob“ zum Opfer fällt. Der Rückzug der Menschen aus dem politischen Raum ist dann konsequent wie insbesondere frei, denn auch die Involution ist ein Ausdruck der Freiheit des Menschen, wenn auch gesellschaftlich kaum wirksam.

Natürlich wird auch hier die wahre und volle Freiheit des Menschen immer wieder gewinnnen, denn Freiheit kommt von innen und ist getragen von Geist. Und Geist ist individuell, zugleich eben die Bestimmung innerer Freiheit und dann die Voraussetzung gelebter Freiheit. Das heisst auch: Freiheitliche Individualität wird gewährleistet durch die (Rück-) Verbindung des Ichs an das Selbst. Das Selbst ist innere Referenz, der Prinzipal, der Quell-Code des Bewusstseins, das gewissermassen kosmisch abgeleitete –I am the Law– eines freien Ichs.

Und das Du ist immer zugleich wesentlicher Teil der Selbst-Reflexion als verbundenem Denken und Fühlen. Das vom Selbst bestimmte Ich agiert angstfrei, sensibel, souverän, kreativ, hinreichend spirituell und sozial kompetent. Diese Art der –Transpersonalen Individualität– ist weiter verbreitet als angenommen und braucht adäquate Politikangebote im Sinne eines weiter zu entwickelnden Gesellschaftsvertrages mit innovativer Substanz bezüglich Legitimation und Partizipation.

Theologien, Ideologien und auf die Befriedung des äusseren Ego abzielende Politikprojektionen reichen dafür heute endgültig nicht mehr aus und lassen die hart erkämpfte freiheitliche Demokratie als rein verwaltete Machtlogik veröden.

Das Selbst wieder „aus dem Exil“ (in Anlehnung an Marc Jongen) zurück zu holen, heisst vor allem für politische Entscheidungs- und Handlungseliten, als Prinzipale mit angemessener Kompetenz, nicht als Systemagenten eines Über-Ich zu fungieren. Die personalpolitischen Entwicklungen speziell in den westlichen Demokratien erfüllen zunehmend nicht mal mehr die Durchschnittsanforderungen aus der Würde und dem Vertrauen ihrer Bürger, auch wenn freie Wahlen der Form zu genügen scheinen.

Insbesondere der oft in systemischen Krisen gerne bemühte Rückverweis auf „Freiheit und individuelle Verantwortung“ outet sich hier spätestens als feige und dreiste Art der „Externalisierung aufs Subjekt“ (U. K. Preuss), als Rückverlagerung der Lösung auf die Regierten nach gescheiterten Politikversuchen der Regierenden. Auch die Euro-Krise wird es zeitigen: Die Konsequenzen extrem überteuerter und also hoch verschuldeter Staatlichkeit auch aus einem falsch angelegten Über-Ich erzeugter Solidarität werden schliesslich dem einzelnen Bürger aufgebürdet. Der Bürger, der Souverän, bekommt also gewissermassen seinen entleerten Staat zurück, um dann „für sich selbst“ der geistigen Entropie und faktischen Auflösung des staatlichen „Ordnungssystems“ jedenfalls zu versuchen zu entgehen.

Die aktuellen Krisen sind letztlich Ausdruck tiefreichender Systemkrise. Heynen sieht hier die einzige Chance in einer behutsamen, klugen, zugleich umfassenden Systemtransformation: Die weiterführende Entwicklung von Staatlichkeit ausschliesslich als geistgeführte Dienstleistung für den Menschen zu organisieren. Und genau hierfür bedarf es dringend der so lange ignorierten individuellen Selbst, die Wirkungen ihrer Involution für die Evolution menschengerechter Staatlichkeit und angemessenen Regierens anzubieten.

Dafür müssen freilich die Krisenursachen als Spätfolge rein äusserer Freiheit (noch rechtzeitig?) begriffen und offen akzeptiert werden; denn auch der Westen, auch die Demokratie können nur daran wachsen und gewinnen, sich der heilenden Kraft einer Perestroika zu unterziehen, um den Weg raus aus der Sackgasse anzutreten. – Vielleicht ist genau hierzu Joachim Gauck, der neue deutsche Bundespräsident, besonders geeignet und prädestiniert.

Dann entsteht auch der ernstzunehmende und verantwortbare öffentliche Raum, wo sich Regierte und Regierende vertrauensvoll und kreativ treffen können, um von Menschen für Menschen das Beste ihres Selbst aus der substantiellen Ur-Grösse ihres Wesens transformativ zu verbinden und wahrhaftig gesellschaftlich zu nutzen. Und das gilt insbesondere auch für die EU und darüber hinaus international.

Zur Vertiefung verweist Heynen auf sein neuestes Buch –Spirit Codes– und die darin von ihm entwickelte Konzeption der –Transpersonalen Individualität–: http://www.lulu.com/shop/j-michael-heynen/spirit-codes/ebook/product-18936372.html

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