Jemen sechs Jahre nach Kriegsbeginn: Ein Viertel aller zivilen Opfer sind Kinder

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Rund ein Viertel aller zivilen Opfer der anhaltenden Kämpfe im Jemen sind Kinder. Das zeigt eine aktuelle Analyse von Save the Children anlässlich des sechsten Jahrestags des Kriegsbeginns. Die Auswertung von Daten aus den vergangenen drei Jahren ergab, dass 22,85% der Zivilisten, die seit 2018 bei den Kampfhandlungen im Jemen getötet oder verletzt wurden, Kinder waren. Die noch einmal verschärfte Gefahr einer Hungersnot und die katastrophale Gesundheitsversorgung gefährden das Leben der Kinder zusätzlich.

Der Jemenkrieg, der sich am 26. März zum sechsten Mal jährt, ist nach Angaben der Vereinten Nationen die größte humanitäre Krise der Welt. Zwei Drittel der Bevölkerung brauchen Hilfe zum Überleben. Dennoch sinkt die Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft, dringend benötigte Gelder für humanitäre Hilfe bereitzustellen, während eine politische Lösung des Konfliktes weiterhin nicht in Sicht ist.

Von den Finanzierungslücken sind Kinder wie Omar* betroffen. Der Achtjährige lebt in der heftig umkämpften Stadt Taiz im Süden des Landes, aus der gleich mehrere Fälle von gezielt angegriffenen Kindern bekannt wurden. Bei einem Granatenangriff wurde Omar* vor wenigen Wochen schwer verletzt, sein Bruder Mahmoud* wurde getötet. Save the Children kommt für die medizinische Behandlung von Omar* auf. Für die Unterstützung von Kriegskindern hat Save the Children in diesem Jahr nur rund halb so viel Geld zur Verfügung wie im vergangenen Jahr.

„Jeder fehlende Dollar wirkt sich unmittelbar auf die Zukunft der Kinder aus“, sagt Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children Deutschland. „Die Mädchen und Jungen im Jemen brauchen unsere Hilfe sofort, sei es für medizinische Behandlungen, für ihre Bildung oder für Essen. Das Risiko einer Hungersnot ist für fünf Millionen Menschen real. Dies ist eine von Menschen verursachte humanitäre Katastrophe. Hier wird das politische Kräftemessen über das Wohlergehen und die Sicherheit der Zivilbevölkerung gestellt.“

Der internationalen Gemeinschaft gelang es bisher nicht, auf eine politische Lösung des Konflikts hinzuwirken oder einen Waffenstillstand dauerhaft durchzusetzen. Zuletzt nahmen die Kampfhandlungen wieder an Intensität zu. Die Konfliktparteien nehmen wenig Rücksicht auf Menschenleben und die zivile Infrastruktur wie Schulen und Krankenhäuser. Kämpfe finden auch in dicht besiedelten Gebieten statt. Die Wirtschaft und das Gesundheitssystem sind zusammengebrochen, gleichzeitig ist der Zugang für Hilfsgüter beschränkt. Tausende Kinder sterben an behandelbaren oder vermeidbaren Krankheiten.

„Die Kinder im Jemen durchleben seit sechs Jahren einen Albtraum“, sagt Xavier Joubert, Länderdirektor von Save the Children im Jemen. „Sie sehen täglich Gewalt und Tod, gehen hungrig ins Bett, verpassen den Unterricht. Kinder riskieren ihr Leben beim Spielen im Freien und an Orten, an denen sie sich sicher fühlen sollten: zu Hause, in der Schule, im Krankenhaus oder auf dem Markt. Die Konfliktparteien müssen so schnell wie möglich einen vollständigen Waffenstillstand umsetzen. Dieser sollte genutzt werden, um auf einen nachhaltigen Frieden und eine politische Lösung für diesen Krieg hinzuarbeiten – nur so kann diese humanitäre Katastrophe wirklich beendet werden.“

Hinweise für die Redaktionen:

– Für die Analyse wertete Save the Children Daten aus dem Civilian Impact Monitoring Project (https://civilianimpactmonitoring.org/) (CIMP) aus.
– Die Gesamtzahl der getöteten oder verletzten Kinder von 2018 bis 2020 betrug 2341 (von insgesamt 10.245 zivilen Opfern, das sind 22,85%).
– 2018 war jedes fünfte zivile Opfer ein Kind (1014 von 4934, das entspricht 20,55% aller zivilen Opfer), 2019 und 2020 etwa jedes vierte (2019: 828 von 3224 = 25,68%; 2020: 499 von 2087 = 23,86%).
– 20,7 Millionen Menschen (66 % der Bevölkerung), darunter 11,3 Millionen Kinder, sind auf Hilfe angewiesen.
– Bei der letzten Geberkonferenz am 1. März wurden lediglich 1,7 Milliarden Dollar zugesagt, nicht einmal die Hälfte der benötigten Summe von 3,85 Milliarden Dollar.
– Save the Children hat für die Versorgung von Kindern, die vom Konflikt betroffen sind, in diesem Jahr 44% weniger Geld zur Verfügung als im vergangenen Jahr.
– Laut einem Bericht des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) (https://www.arabstates.undp.org/content/rbas/en/home/library/crisis-response0/assessing-the-impact-of-war-on-development-in-yemen-.html) hat der Konflikt die Entwicklung des Landes schon jetzt um 21 Jahre zurückgeworfen.
– Die Wirtschaft ist in den vergangenen drei Jahren um fast 50% geschrumpft.
– 2 Millionen Kinder gehen nicht zur Schule.
– 1,8 Millionen Kinder unter fünf Jahren leiden an moderater akuter Unterernährung; fast 400.000 Kinder unter fünf Jahren leiden an schwerer akuter Unterernährung. Mehr zur Ernährungssituation im Jemen hier (https://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/IPC_Yemen_Acute_Malnutrition_2020Jan2021Mar.pdf).
– Save the Children arbeitet seit 1963 im Jemen und ist eine der größten unabhängigen NGOs im Land. Seit Beginn der Krise hat die Organisation mehr als vier Millionen Kinder in den Bereichen Ernährungssicherung, medizinische Versorgung, Bildung und Kinderschutz erreicht.
– Die Star-Violinistin Anne-Sophie Mutter engagiert sich mit Save the Children für die Kinder im Jemen. Sie gab unter anderem im Mai 2019 ein Benefiz-Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie und rief bei einem weiteren Konzert mit großem Erfolg zu Spenden auf.

Fotos, Schnittmaterial und Erlebnisberichte von Kindern aus Taiz zum Download:

Omar* (8 Jahre), verletzt bei Angriff:

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Arwa* (16 Jahre), deren 9 Monate alte Tochter bei einem Angriff starb:

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Yasmeen* (6 Jahre), verletzt bei Angriff:

https://www.contenthubsavethechildren.org/Package/2O4C2SAI5C6P (https://eur03.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.contenthubsavethechildren.org%2FPackage%2F2O4C2SAI5C6P&data=04%7C01%7CSusanne.Sawadogo%40savethechildren.de%7C25ff0c211980488dedca08d8eacc6639%7C7e675e17e6ed49b38fb77005366df847%7C0%7C0%7C637517510909528399%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C1000&sdata=q5ZuuIdOcMDTfMksR1nCdL%2FxE4PwpXLxHUrQFCwV%2FyI%3D&reserved=0)

Omar* (7 Monate), mangelernährter Junge:

https://www.contenthubsavethechildren.org/Package/2O4C2SAI58X4 (https://eur03.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.contenthubsavethechildren.org%2FPackage%2F2O4C2SAI58X4&data=04%7C01%7CSusanne.Sawadogo%40savethechildren.de%7C25ff0c211980488dedca08d8eacc6639%7C7e675e17e6ed49b38fb77005366df847%7C0%7C0%7C637517510909538393%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C1000&sdata=HQlLYdnDtSQdBdeHTPVZvet%2Fvle8CNq2uG76TBlRCBQ%3D&reserved=0)

*Namen zum Schutz der Persönlichkeit geändert

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Über Save the Children

Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in über 110 Ländern tätig. Save the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet. Eine Welt, in der alle Kinder gesund und sicher leben und frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können – seit über 100 Jahren.

Pressekontakt:

Save the Children Deutschland e.V.
Pressestelle – Susanne Sawadogo
Tel.: 030 – 27 59 59 79 – 120
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